10. August 2012

Von: Markus

Heulende Wölfe auf Tour

Foto von Sigrun Bösemann17 Kids von 8 bis 12 Jahren und 4 Teamer. Ein Rudel voller neugieriger Jungen und Mädchen mit vier alten Leittieren machen sich mit Fahrrad und Zelt auf eine viertägige Abenteuerreise ins Bremer Umland.

Als ich morgens mein Rad aus der Garage schiebe beginnt es zu nieseln. Bremer Sonne! Ich ziehe die Regenjacke über und mache mich auf zu Horst. Triefend beladen wir meinen Anhänger mit gesunden Lebensmittel von der Flotten Karotte und fahren weiter zum » Weiterlesen

 

4. August 2012

Von: Markus

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

… aber wo soll ich anfangen? Ich sitze wieder an meinem Schreibtisch in unserer neuen Wohnung. Wir haben noch nicht viele Möbel, aber sie sind bestellt. Aus dem Nebenzimmer höre ich Alexandra werkeln. Sie genießt die eigene Küche und kocht.
Seit knapp drei Wochen sind wir wieder in Deutschland und bisher ist das Lebensgefühl » Weiterlesen

 

27. Juni 2012

Von: Alexandra

Time to Say Good-Bye

(Geschrieben am 21. Juni)
Ein Jahr, 365 Tage, 8760 Stunden! Unser Jahr ist fast vorbei. Ich sitze auf der Terasse eines Hostals in dem wir insgesamt 3! mal waren. Man kann aufs Meer sehen (so ziemlich) und ich schlafe mit dem Rauschen der Wellen ein. Für die letzten drei Wochen haben wir die Räder gegen ein 4×4 Auto getauscht um noch die Berge im Norden und ein wenig der Amazonregion in Peru zu sehen die wir verpasst haben als wir in der Regenzeit die Küste runtergeradelt sind.

Vier Montate sind wir in den USA geradelt, wir haben Lisa, meine amerikanische Gastschwester und meine Gasteltern besucht. Markus hat mehr Hamburger gegessen als ihm geschmeckt haben und ich habe mich, nachdem wir die kalifornische Küste verlassen haben, nach natürlichen Nahringsmitteln gesehnt. In Südamerika haben wir 8 Monate verbracht, davon allein 6 in Peru, zwei in Ecuador und eine kleine Stippvisite in Copacabana, Bolivien. Welch eine Reise!

Wir haben unbeschreiblichen Reichtum in den großen Städten der USA gesehen, mexikanischen Einwanderergeschichten gelauscht und Käse in sehr ärmlichen, schmutzigen Lehmhütten in den Anden gekauft. Wir haben ohne Decken in den Wüsten von Nord und Südamerika geschalfen und uns auf über 4000 m in zwei Schlafsäcke gekuschelt wo das Wasser in der Ortlieb Waschschüssel morgens gefroren war. Wir haben auf alten verlassenen Inkaterassen mit Ausblick auf schneebedeckte Vulkane gezeltet, wo sich freundliche Campesinos (Bauern) auf ihren Burros (Esel) erkundigten, ob wir irgendetwas brauchen. Wir haben Freudentränen vergossen als wir den Pazifik in Peru zum zweiten Mal erreichten. Wir verbrachten unser schönstes Sylvester in Zorritos am Strand. Wir radelten mehr als 100 km an einem Tag und schafften an einem anderen nur 14 km als uns viele Erdrutsche den Weg versperrten. Mein Körper hat eine Leistung vollbracht, die ich nie von ihm erwartet hätte und ich habe gelernt, durchzuhalten an Stellen, wo ich früher aufgegeben hätte. Ich nehme heute Dinge hin, die ich nicht ändern kann beschwere mich (fast) nicht mehr. Jede Kurve, jeder Hügel schenkte uns neue Ansichten und Erlebnisse und die Neugierde darauf trieb mich an.

All das geht nun zu Ende und ich schwanke zwischen der Vorfreude auf meine Heimat und meine Freunde und Familie und dem traurigen Gefühl des Abschieds von einer unglaublichen, aufregenden und wundervollen Reise. Bald landen wir mit dem Flieger in Amsterdam, good old Europe. Auf Wiedersehen Peru, du hast uns reich beschenkt, hast uns belehrt und wir haben Dinge gesehen, die wir uns nicht haben träumen lassen. Ich danke allen, die diese Reise zu dem gemacht haben was sie ist: ein einzigartiges Geschenk.

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27. Juni 2012

Von: Markus

Mittendrin oder nur dabei?

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Als wir vor gut sechs Monaten die Grenze nach Peru überradelt haben, war in den Bergen gerade Regenzeit. Deshalb haben wir uns damals entschieden die Küste runter zu fahren. Nun haben wir noch drei Wochen Zeit bis zum Rückflug nach Deutschland. Zu viel zum Nichtstun, und zu wenig um mit dem Rad in den Norden zu fahren. Also leihen wir uns ein Auto, stellen die Ortliebtaschen in den geräumigen Kofferaum und kaufen freudig eine größere Auswahl an Lebensmittel ein. Wir haben ja nun reichlich Platz!

Mit einer gewissen inneren Anspannung manövriere ich das Auto aus der Großstadthölle Lima. Besonders in den sehr armen Vororten bietet das Auto eine gefühlte Sicherheit. Wir sind durch Blech und Glas abgeschottet von der chaotischen schmutzigen Welt der Slums. Wir atmen durch, als wir wieder Natur erreichen und der Verkehr lichter wird. Ich frage mich, wie wir wohl von außen wirken. Der blitzblanke neue SUV sendet Signale des Reichtums. Sind wir in einem solchen Auto eigentlich wirklich sicherer? Mit einer einfachen Straßensperre, oder irgendeinem anderen Vorwand, um uns um Anhalten zu bewegen, sind wir leichtes Opfer. Mit dem Fahrrad haben wir uns das Land erarbeitet. Klar waren wir als Touristen, als Gringos, zu erkennen, aber wir waren meist schmutzig und verschwitzt. Wir sitzen “nur” auf dem Rad, dass hier andere Menschen auch als Transportmittel nutzen. Wir sind den einfachen, armen Menschen viel näher als in der glänzend silbernen Blechhülle.

Diese Blechhülle ist mächtig motorisiert! Mit leichten Fußbewegungen und einem spaßigen Kurbeln am Lenkrad kurven wir spielend bergauf. Fahrspaß pur! In zwei Stunden sind wir von 0 auf 4800 Meter! Das fällt uns erst so richtig auf, als wir kurz vor dem Pass aussteigen, um Fotos zu machen. Es ist ziemlich kalt und windig hier oben. Mit dem Rad hätten wir drei Tage hier rauf gebraucht. Der schnelle Klima-, und Landschaftswechsel ist irritierend. Wir kennen diese Landschaften, haben sie alle mit dem Fahrrad erfahren, aber mit dem Auto ging es so schnell, dass es sureal wirkt. Die Landschaft hier oben auf dem Abra Anticona paßt dazu. Die Berge sind durch unzählige Mienen verunstaltet. Es ist ein Farbenspiel der Gesteine, aber unnatürlich und nicht schön.

Bergab mit dem Auto ist wie Go-Kart fahren. 1000 Kurven, die Straßen sind frei und ich passe mich den offenen peruanischen Regeln des Straßenverkehrs an und fahre Ideallinie. Als wir unser Ziel in Tarma, die Hacienda La Florida erreicht haben, ahne ich schon, dass mich dieses Kurvenfahren, vielleicht das Autofahren imsgesamt, nach ein paar Tagen langweilen, wenn nicht sogar nerven wird. Am nächsten Morgen habe ich Rücken! Ich bin einfach nicht zum Stillsitzen gemacht. Zum Glück geht es mir nach passenden Verrenkungen und etwas Strecken wieder besser.

Wir sind insgesamt drei Wochen mit dem Leihwagen unterwegs und legen am Ende ca.4000 km zurück. Wir leisten uns das teuere Auto, weil wir so von diesem Land noch sehen können, was wir mit dem Rad nicht mehr schaffen würden. Und wir geniessen die Möglichkeit “mal eben” einen Abstecher zu machen, der auf einer Schotterstraße für vielleicht 20 km bergauf von der eigentlichen Route abweicht. Mit dem Rad bedeuten solche Abstecher mitunter einen Tag mehr. Ein Tag, an dem wir uns mit Essen und Trinken versorgen müssen, dass irgendwie in den Satteltaschen passen muss. Ein Tag mehr nach einer vielleicht schon anstrengenden Woche auf dem Rad. Der Besuch solcher Attraktionen abseits des Weges ist da mit dem Auto deutlich leichter zu bewältigen. Wir stellen aber fest, dass die Wertschätzung, die Freude und auch das siegreiche Gefühl mit dem Rad ein cooles Ziel erreicht zu haben, mit dem Auto auf nahe Null sinkt! Ohne vorherigen Anstrengung, macht die dann unverdiente Siegesfeier eben nur halb so viel Freude!

Wir fahren alle unsere Wunschziele an und machen Haken auf der Checkliste der sehenswerten Orte Perus. Fahren wir durch Dörfer und halten an um einzukaufen, habe ich Sorge, das Auto unbewacht stehen zu lassen. So suchen wir uns immer Übernachtungen, die einen sicheren Parkplatz bieten. Mit den Rädern war das leichter und deutlich billiger. Wenn ich in einer Stadt aus dem Auto klettere, fühle ich mich fremder als zuvor mit dem Rad. Aussteigen aus dem Auto ist wie Fernseher aus und raus in die Wirklichkeit. Ich kann mich erst am Ankunftsort akklimatisieren und wieder, im wahrsten Sinne des Wortes, Boden unter den Füßen gewinnen.

Die Vorteile des Autos liegen klar auf der Hand und wir haben sie in den drei Wochen ausgiebig genutzt. Aber ich freue mich, wenn wir bald in Amsterdam landen und wieder auf unsere Räder steigen, um nach Bremen zu fahren. Das mit dem Auto bin nicht ich. Ich brauche mein Rad um zu sein wo ich fahre!

 

8. Juni 2012

Von: Alexandra

Ab in die Wüste

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Es hat wieder gefroren heute Nacht. Das Wasser im Ortliebsack ist etwas crunchy. Unser Zelt steht neben einer alten Hütte der Mautstation. Wir haben gestern keinen besseren Platz gefunden. Erst gab es nur steile Felswände und hier auf der Hochebene der Pampa Galeras ist das Gelände eingezäunt um die Vicuñas im Nationalpark zu schützen. Die LKWs haben uns heute morgen zeitig geweckt und wir sind motiviert schnell aufs Rad zu kommen. Es sind nur noch 400 Höhenmeter bis zum Pass zu fahren, aber die Luft scheint heute Morgen besonders dünn zu sein. Ich brauche noch mehr Stopps als sonst. Letztendlich schaffen wir es auf die Hochebene, die Pampas Galeras, ein Schutzgebiet für Vicuñas. Nun geht es gaaanz langsam begab. Wir geniessen die Fahrt, denn für heute müssen wir nicht mehr viel tun. Kleine Herden der Vicuñas kreuzen immer wieder unseren Weg und wir schauen den süßen Tieren immer wieder hinterher. Leider sind sie sehr schüchtern, so dass es schwer ist ein Close Up Foto zu schießen.

Nach vielleicht 10 km verlassen wir die Pampa und es geht runter in die Wüste. Und wieder einmal ist es der abrupte Vegetationswechsel ein Erlebnis. Weit vor und unter uns schlänglet sich die Straße hinab. Der Anblick der geologischen Formen der Wüste mit ihrer Farbvielvalt von hier oben ist irre. Immer wieder halten wir an um die Schönheit dieser Welt zu betrachten und wir freuen uns darüber die frostigen Berge zu verlassen und in die Wärme zu rollen.

Wir stehen gerade und staunen, als ich Markus auf einen Vogel hinweise. Er findet ihn im Sucher der Kamera und wir erkennen, dass es ein Condor ist, der hier einsam seine Kreise über unseren Köpfen zieht. Der Vogel ist mächtig groß und schön. Er kommt uns so nahe, dass wir das Rauschen des Windes in seinen Flügeln hören. Wir schauen ihm lange hinterher und es scheint, dass er eine Art Flugschau für uns veranstaltet. Wir freuen uns über den Anblick, den uns die Natur hier schenkt.

Weiter unten kommen wieder die Gerüche der Wüste auf, die uns so lange an der Küste begleitet haben. Staub, verwesende Tiere ein wenig Pflanzen und Sonne. Ich freue mich wieder in der Wüste zu sein. Es dauert nicht mehr lang und wir erreichen Nasca. Wir quartieren uns im gleichen Hotel ein wie vor ein paar Monaten. Ein seltsames aber gutes Gefühl an einem Ort zu sein, den wir schon kennen. Wir gehen in das gleiche Restaurant wie damals, denn hier gibt es gutes Essen und guten Service von dem wir uns zum Abschluß eines richtig guten Tages verwöhnen lassen.

 

10. Mai 2012

Von: Markus

Abschied für immer

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Zum zweiten Mal auf unsere Reise erreicht uns heute die Nachricht über den Tod eines Menschen, dem wir begegnet sind. Diesmal ist die Frau eines reisenden Paares in den Bergen Argentiniens tödlich verunglückt. Es waren nicht wirklich Freunde von uns, wir haben sie nur zwei Mal auf unserer Reise getroffen und doch bin ich traurig. Ich werde den Gedanken an den Tod nicht los.

Manche wissen, dass sie sterben, weil sie krank sind. Sie haben die Chance, mit den Lieben zu sprechen und offene Fragen zu klären. Sie haben die Möglichkeit zu sagen, was vielleicht über viele Jahre ungesagt blieb und zu verzeihen, was lange zwischen ihnen stand. Vielleicht kann man seine Reise auf Erden dann ruhig und mit einem Lächeln beenden, weil die Erinnerung an das Leben etwas Gutes ist. Vielleicht kann, wer zurückbleibt den sterbenden Menschen gehen lassen, weil alles gesagt ist, weil sie sich mit den Erinnerungen an die guten Tage trennen. Vielleicht entsteht durch die Gespräche am Sterbebett Zuversicht und ein Einverständnis in Zukunft alleine neue Wege zu gehen. Die Traurigkeit wird das wohl nicht beenden, aber vielleicht die Panik etwas versäumt zu haben?

Was ist jedoch, wenn der geliebte Mensch durch einen Unfall so plötzlich aus dem Leben gerissen wird? Es geschieht, täglich und immer wieder! Nur wir, die es bisher nicht getroffen hat, blenden diese Möglichkeit aus, oder? Es gibt Lebensversicherungen, um sich finanziell abzusichern, oder um ein Haus zu finanzieren, aber der Gedanke an den Tod oder ans Sterben?
Ich bin nicht viel besser, aber diese Reise hat meine Sicht auf das Leben verändert. Arm oder reich hat einen anderen Wert bekommen. Luxus definiert sich nicht mehr an der Menge der Dinge, die ich um mich habe, und ich beginne zu verinnerlichen, dass es meine Gedanken und meine Sichtweise ist, die den Tag gut oder weniger gut erscheinen läßt.
In der ersten Todesnachricht, die wir erhielten, schrieb mein Freund: “Ich schreibe euch diese Zeilen, damit euch bewußt wird, dass das Leben endlich ist. Genießt jeden Tag eurer Reise.” So pathetisch es klingt, diese Nachricht und auch die zweite ist wie eine Lehre und ich muss mich dafür bedanken.

Ein ehemaliger Kollege von mir hat sich eines Tages von mir verabschiedet und gefragt, ob zwischen uns noch Fragen offen sind, oder ob wir uns in Freundschaft trennen. Er hat sich als Moslem auf den Pilgerweg nach Mekka gemacht und wollte dies mit reinem Herzen tun. Ein plötzlicher Unfalltod nimmt die Chance auf Versöhnung, auf die eine wichtige Frage, oder ein reines Herz.

Wieso ist der Tod in unserer Gesellschaft so düster, angsteinflössend und so traurig? Wo doch jedem klar sein muss, dass mit jeder Geburt und in ein paar Jahren auch ein neuer Tod ins Haus steht.
Ich fürchte mich vor einer langen Krankheit mit Schmerzen, und ich habe Sorge jemanden mit offenen Fragen zurückzulassen. Aber Angst vor dem Tod selbst…ich weiß nicht. Es ist das Ende. Es bringt mich zurück zur Natur. Ich glaube, mit meinen bescheidenen 43 Jahren, dass der Tod nichts Schlimmes ist. Er ist normal und Teil unserer Natur.
Der Gedanke an den Tod, das Bewusstsein, dass mein Leben endlich ist, ja jeden Augenblick enden kann, verändert mein Leben. Was bleibt denn nach meinem Leben noch was wichtig ist? Ein Haus, ein Fahrrad? Mitnehmen kann ich nichts in den Tod. Ich lasse alles zurück in der Welt der Lebenden.

Wenn ich an die beiden Verstorbenen denke, erinnere ich mich nicht an deren Reichtum oder Armut, an deren Besitz. Ich erinnere mich an Gespräche und daran, dass sie mir geholfen haben. Die eine Familie hat mich in ihrem Haus aufgenommen die andere hat uns im Nirgendwo der hohen Anden mit Wasser versorgt.

Ich danke Beiden für die Begegnungen und ich wünsche den Angehörigen Zuversicht und Mut für die kommenden Zeit. Ich denke an Euch.

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