9. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 6

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Teil 6 Zwei Pässe und ein Matschauge

Als ich heute morgen aufwache, brennt mein rechtes Auge. Ich hatte das schon öfter, aber diesmal wird es auch nach dem Frühstück nicht besser. Mit Sonnenbrille und Alex Schirmmütze blendet es nicht mehr und es tränt weniger.

Wir wollen heute über zwei Pässe mit 4200 m Höhe. Gegen die bisher leichten Symptome der Höhenkrankheit (Müdigkeit, Kopfschmerzen) nehmen wir beide eine Sorroche Pille. Offensichtlich hilft das Aspirin darin auch gegen mein Matschauge, denn als wir auf dem Rad sitzen merke ich nichts mehr davon.

Wir fahren auf deutlich besserem Schotter und gutem Wetter mit mäßiger Steigung bergauf. Der Weg schlängelt sich durch eine sanfte Hügellandschaft. Der Vormittag ist ein Radlertraum! Oben auf dem ersten Pass weht ein kalter Wind. Wir suchen uns ein geschütztes Plätzchen und essen Mittag. Als ich meine Sonnenbrille absetze, meldet sich mein Auge empfindlich zurück. Ich setze die Brille wieder auf und versuche es zu ignorieren. Wir ziehen uns für die Abfahrt wärmer an und rollen gemütlich ins Tal. Wir werden von einem richtigen großen Bus überholt. Ich wundere mich immer wieder auf was für Wegen (wir sind immer noch auf einem Schotterweg) in diesem Land Busse verkehren.

Der zweite Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Weil unsere Beine das inzwischen anstrengend finden machen wir alle 50 Höhenmeter eine kurze Atempause und kommen in diesem Rhythmus gut oben auf dem zweiten Pass an. Die Aussicht hier oben ist wunderbar. Überall sind schneebedeckte Gipfel zu sehen. Die inzwischen zahlreichen Wolken zaubern fantastische Formen an den Himmel und sorgen für ein wechselhaftes Lichtspiel an den Berghängen. Ein Vicuña läuft vor uns über den Weg, verschwindet kurz hinter einem Hügel und taucht wenige Meter später mit dem Kopf wieder auf um uns zu beobachten.

Wir ziehen uns wieder warm an. Es folgt eine schier endlose, wenn auch recht langsame Abfahrt auf Schotter. Alex rutscht zwei Mal mit dem Vorderrad weg, kommt aber mit dem Schrecken davon. Die Landschaft wechselt ständig. Immer wieder gibt es neue Farben und Felsformationen. Weiter unten gibt es wieder Terrassenfelder zu sehen.

Um 17:00 kommen wir durchgefroren in Huambo an. Das einzige Hostal im Dorf ist zu, weil die Besitzerin noch auf dem Feld ist, um Oregano, eines der wichtigen Produkte dieses Dorfes, zu ernten. Auf der Suche nach einem Restsurant fragen wir zwei Frauen in bunter, voluminöser Tracht und Alex bekommt prompt Schelte, weil sie viel zu dünn angezogen sei.

Das Restaurant ist gegenüber und von außen als solches kaum zu erkennen. Drinnen sind vier Kunststofftische, ein kleiner Tresen und ein Fernseher. Zwei Einheimische haben sich ein Programm mit einem Kung Fu Film herausgesucht. Essen gibt es um 18:00 wie uns die Besitzerin, Köchin und Kellnerin in einer Person, mitteilt. Sie sieht wohl, dass uns kalt ist und bietet uns Tee an, den wir gerne trinken. Mit der warmen Tasse in der Hand kommt wieder Leben in unsere Körper und wir merken unsere Müdigkeit. Mein Auge brennt wieder im kalten Neonlicht. Es gibt keine Karte, hier wird gegessen was auf den Tisch kommt und das ist superlecker. Alle Zutaten in der Suppe und im Reisgericht sind hier gewachsen und frisch zubereitet. Alex ignoriert deswegen auch ihr Vegetarierdasein und langt kräftig zu.

Es ist dunkel als wir zum Hostal rüber gehen. Das Haus ist halb fertig, unser Zimmer ist sehr einfach und die Dusche auf dem Flur überschwemmt das ganze Bad als wir sie benutzen, aber heute ist alles egal. Ich will ins Bett, mein Auge zumachen und schlafen.

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4. April 2012

Von: Alexandra

Leidensweg und Freudentränen Teil 5

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Teil 5 Lechero – Der Milchwagen

Der nächste Tag ist besser. Es ist nicht weit nach Lluta und wir können den ganzen Weg auf dem Rad sitzend fahren! Allerdings quälen wir unsere Fahrräder immer noch auf einem groben Schotterweg. Mehr als 15 km/h ist auch bergab nicht drin!

Mittags erreichen wir bei strahlendem Sonnenschein das kleine Dorf. Wir fragen nach dem Lechero, dem Milchwagen, der uns hoffentlich bis zum Cruce de Huambo mitnimmt und uns somit ein paar km bergauf auf groben Schotter erspart bleibt. Der Lechero soll um 14:00 kommen und unser Gepäck und die Räder sind kein Problem. Bis dahin ist nicht mehr zu tun als in der Sonne zu sitzen und zu warten, was uns nach den letzten Tagen nicht besonders schwer fällt.

Der Milchwagen kommt um 14:30. Auch er hatte seine Probleme mit den Straßenverhältnissen. Es dauert ein Weile, bis alle Fahrgäste mit ihrem Gepäck vom LKW geklettert sind. Hier gibt es keinen Busverkehr und so ist der Lechero das Transportmittel für die Menschen in Lluta. Er kommt zwei Mal durch den Ort auf seiner Rundfahrt um die Milchkannen einzusammeln und zur Gloria, der Molkerei, zu bringen.
Der alte, etwas klapprige, LKW hat einen hohen Holzaufbau jedoch kein Dach. Er wird von zwei Männern begleitet. Einer fährt und der andere sammelt die großen Alumilchkannen ein, die von den Bauern etwas versteckt am Strassenrand bereitgestellt wurden.

Wir laden unsere Räder über die hohe Bordwand und klettern selbst mit unseren Taschen durch die kleine Luke in der Seitenwand. Mit uns steigen noch einige andere aus dem Dorf zu. Als wir losfahren fällt uns auf, dass alle warm angezogen sind und weitere Umhänge und Jacken bereit halten. Unsere Jacken sind irgendwo auf der Ladefläche in unseren Taschen vergraben….

Es geht los und zunächst runter in einen Cañon. Immer wieder halten wir, um neue Milchkannen einzuladen oder weil einige aus-, und andere zusteigen. Die Schotterstraße ist gerade breit genug für ein Fahrzeug und in schlechtem Zustand. Ich hoffe einfach, dass uns kein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Markus steht auf den Milchkannen und schaut über die Bordwand. Ich habe schnell entschieden, das es für mich besser ist, unten zu sitzen. Ich will gar nicht sehen wie dicht die Räder des LKW neben dem abenteuerlichen Abgrund rollen. Die anderen Fahrgäste sind weniger besorgt. Drei Frauen spielen Karten und ein kleiner Junge ist auf einem Kartoffelsack eingeschlafen. Immer wenn der Laster durch ein besonders tiefes Schlagloch rumpelt, wacht er auf und lacht. Für ihn ist es wohl eher eine dreistündige Achterbahnfahrt.
Auf der anderen Seite des Cañon müht sich der LKW immer weiter bergauf. Es wird kalt und die Wolken drohen mit Regen. Die anderen ziehen sich wärmer an und wir ärgern uns, dass wir so dünn angezogen sind. Die Ladefläche ist inzwischen fast vollständig mit Milchkannen gefüllt und alle sitzen oder stehen auf den vollen Kannen.

Nach einer scheinbaren Ewigkeit des Frierens und Schaukelns erreichen wir das steinerne Portal mitten im Nichts. Hier teilt sich die Straße und wir steigen aus und zahlen unseren Obolus von 10 Soles (2,80€). Andere nutzen den kurzen Stopp um Tee wegzubringen, oder um einen besseren Platz auf den Milchkannen zu ergattern.
Wir machen ein letzte Foto und alle winken uns zum Abschied zu. Dann beeilen wir uns, um uns wieder warm zu fahren, jedoch nicht mehr weit, denn diese Hochebene ist der ideale Zeltplatz für die Nacht.

Nachdem unser Lager eingerichtet ist kochen wir Tee. Von irgendwo kommt eine indigenen Hirtin auf uns zu. Sie ist in mehreren Lagen warmer Wollsachen gekleidet und trägt ein Bündel Feuerholz in dem typischen Tragetuch auf dem Rücken. Sie passt auf die Kühe und Schafe auf, die besonders im Mai, wenn die Tiere fett sind oft gestohlen werden. Wir laden sie zum Tee ein und teilen unsere Packung Kräcker, die sie gerne annimmt. Bevor die Sonne untergegangen ist macht sie sich auf den Weg. Ich habe grossen Respekt vor den Menschen und ihrem harten Leben hier oben. Alles fügt sich dem Rhythmus der Natur, dem auch wir lernen zu folgen.

Wir bereiten unser Abendessen auf dem kleinen Kocher zu und kriechen bald müde und voller Eindrücke in unsere mollig warmen Schlafsäcke.

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 4

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Teil 4 Tragen, schieben und auch ein Stückchen fahren

Am Morgen schaue ich bergauf und zähle 12 Kehren die ich sehen kann, was weiter oben noch kommt will ich auch gar nicht wissen. Wir packen unsere Räder hinter dem Geröllhaufen auf und versuchen zu fahren. Wir schaffen es bis zur ersten Kehre. Danach ist der Schotter so groß und die Strasse so steil, das wir schieben. Macht nichts, denn der nächste Erdrutsch versperrt ca. 100 Meter weiter die Strasse. Wir packen wieder ab, und tragen Räder und Gepäck über die Steine. Anschliessend sind meine Waden und Knöchel gut verschrammt. Wir schieben, fahren ein paar Meter und schieben wieder. Ein weiterer Erdrutsch taucht auf. Im Grunde ist es der gleiche, wir kreuzen ihn nur mehrfach, da wir durch die Serpentinen immer wieder darauf zurückkommen. Diesmal schieben wir Räder zu zweit, es geht schneller, aber ich stoße mich zum x-ten Mal an der gleichen Stelle am Knöchel und kann einen Wutanfall nicht ganz unterdrücken. Alex ist unglaublich ruhig und zuversichtlich. Klar, umdrehen ist keine Alternative und sie sagt mit einem Ton der Überzeugung, dass wir das schon schaffen werden. Ich atme durch und wir schieben weiter.

Je höher wir kommen, desto kleiner werden die Geröllhaufen aber der Weg ist insgesamt so schlecht, dass wir nicht fahren können. Das ändert sich auch kaum als wir den Bagger erreichen, der von oben kommt und die Straße wieder passierbar macht. Er hinterlässt einen Weg mit losem Sand und dicken Steinen, die das Radfahren nicht leichter machen. Ein Blick auf das GPS zeigt, das wir 150 Höhenmeter pro Stunde machen. Nicht wirklich viel…

Aber Alex behält recht, irgendwann, 800 Meter höher, ist das steile Stück zu Ende und wir können wieder fahren. Am Abzweig nach Tuya treffen wir auf den zweiten Bagger. Wir machen Pause um seine Arbeit abzuwarten. Ich schnalle den Rucksack auf und gehe zu Fuß in den Ort, um Getränke zu kaufen. Agua sin Gas ist alle, da der Ort durch die schlechte Strasse keine neuen Waren bekommen hat. Ich kaufe Cola, die uns mit Zucker und Koffein bisher gut den Berg raufgebracht hat. In einem Gespräch mit zwei Frauen ernte ich nur Kopfschuetteln. Wieso reisen wir ein Jahr? Warum mit dem Rad und nicht mit dem Auto? Es ist doch so kalt, das ist nicht gut für meine Frau! Was sagen meine Brüder dazu, dass ich so lange fern der Heimat bin? Ich versuche in meinem bescheidenen Spanisch vom Leben in Deutschland zu erzählen und das diese Reise unser Traum ist, aber es hilft nicht. Ich bin eben ein wenig “Poco Loco”.
Wieder unten, hat Alex auch Bekanntschaft gemacht und keine Langeweile gehabt. Wir essen die etwas pappigen Brötchen und Käse und filtern uns Wasser aus dem Fluss.

Der Baggerfahrer macht für uns zunächst einen ersten Weg frei, damit wir weiter können und so mühen wir uns wieder bergauf. Heute werden wir die geplante Etappe nicht schaffen. Wir sind müde von der Horrorstrecke heute Vormittag und der Weg zwingt uns immer wieder zum Schieben. Wir schaffen es auf den Pass und finden unterhalb des Weges eine kleine, nicht beackerte Terrasse aus der Inkazeit. – Unser Zeltplatz! Bauern kommen mit Esel und Kind vorbei und heißen uns in ihrem Land willkommen. Langsam kommen wir zur Ruhe und freuen uns, dass wir geschafft haben, was eigentlich nur zu Fuss möglich sein sollte. Die Entschädigung bekommen wir während unsere Nudeln im Topf kochen. Der Sonnenuntergang zaubert ein wundervolles Farbspiel an den Himmel und die Berge. Wir haben mit dem rot leuchtenden Schneesgipfel des Chachani einen romantischen Tagesabschluss.
Es ist immer wieder schön wenn Alex recht behält!

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2. April 2012

Von: Alexandra

Leidensweg und Freudentränen Teil 3 Wo bitte geht’s zum Cañon?

Teil 3 – Wo bitte geht’s zum Canyon?

Kurz nach dem Frühstück kommt auf unserem Spurweg ein Peruaner entlang. Er ist klein, trägt alte, zerschlissene Klamotten und Sandalen, die es hier überall gibt und deren Sohle aus alten Autoreifen gemacht wird. Es ist noch früh und kalt und wir gucken auf seine Füße. Er spricht uns an, jedoch verstehen wir nichts, da er in einem unverständlichen Dialekt spricht. Wir sagen “no comprendo” und er bleibt einfach stehen. Wir vermuten, dass er wissen möchte, wie wir hierher gekommen sind und so versuchen wir zu erklären, dass wir mit dem Rad da sind. Er versteht uns auch nicht, was ihn aber nicht zu stören scheint. Da sich die Konversation etwas schwierig gestaltet und wir ja auch noch weiter müssen machen wir mit unseren Morgenaktivitäten weiter. Nach einer Weile geht der Peruaner auf die andere Seite vom Zelt, wo er unsere Räder entdeckt. JETZT versteht er “ah, bicicletta”! Danach bleibt er auch dort stehen, schaut sich die Räder an und scheint nachzudenken. Nach geraumer Zeit geht er in die Richtung weiter, aus der wir gekommen sind.

Wir packen unsere Sachen zu Ende und machen uns daran, die letzten Höhenmeter zum Pass zu erklimmen. Wir kommen gut voran, nur leider ist bald unsere schöne Teerstraße zu Ende. Bis Cabanaconde gibt es jetzt nur noch Schotter. Aber das Wetter ist großartig und wir sind motiviert. Die umliegenden, schneebedeckten Vulkane zeigen sich immer wieder und wir können uns an der Schönheit dieser Landschaft nicht satt sehen. Wir machen viele Fotostopps oder halten einfach nur, um zu schauen.

Nach Huanca geht es nun nur bergab und wir hubbeln langsam über den Schotter nach unten. Als wir uns dem Dorf nähern, treffen wir auch wieder auf die ersten Menschen. Hier auf dem Land in den Bergen in der Abgeschiedenheit sind sie noch freundlicher, als wir es ohnehin schon gewohnt sind, wir werden mit Handschlag begrüßt, sie fragen woher wir kommen und wohin wir fahren, finden es toll, dass wir aus Alemania kommen, wollen unsere Namen wissen und freuen sich, dass wir ihr Land und Dorf mit dem Rad bereisen. Endlich sind wir da wo wir hinwollten, in der Natur und bei Menschen, die noch Zeit haben, die der Zivilisationsstress noch nicht erfasst hat.

In Huanca angekommen besorgen wir uns erst mal was zu essen (Empanadas) und den dringend nötigen Zucker-Koffein-Kick: Cola! Wir haben Bärenhunger, wovon die Empanadas nur die Oberfläche stillen. Die Dorfcops sprechen uns an, wir beantworten obige Fragen und posieren für Fotos. Außerdem werden wir befragt, wie es denn mit der Straße nach Arequipa aussieht, ob sie wieder befahrbar sei, weil doch so lange kein Versorgungswagen durchgekommen sei.

Anschließend heißt es Wasser aufnehmen, 12 Liter, die wir aus kleinen Flaschen umfüllen, weil eben seit Tagen kein Auto durchgekommen ist. Und wir haben zum ersten mal die grandiose Idee eine unserer Flaschen mit Cola zu füllen. Eine weise Entscheidung wie sich herausstellen wird.

Im Dorf hören wir zum ersten Mal, dass etwas mit der Brücke im Canyon sein soll. Wir fragen, ob man mit dem Rad durchkommt und bekommen unterschiedliche Aussagen zur Antwort. Wir fahren trotzdem weiter, wollen wir doch 1. nicht umkehren und 2. nicht schon wieder in den Bergen scheitern.

Nach einigem Auf und Ab hinter dem Dorf kommen wir an den oberen Rand des Canyons. Auf der gegenüber liegenden Seite können wir sehen, wo wir wieder rauf müssen. Weia! Aber erst mal geht es, auf einem schlechten, durch den vielen Regen ausgewaschenen Weg, bergab, so dass wir hier schon teilweise schieben. Nach ein paar Kehren sitzen drei Peruaner am Hang und fragen wo wir denn hinwollten. Wir erklären: “Durch den Canyon, mach Lluta.” Sie antworten etwas, was wir mal wieder nicht so richtig verstehen aber es hört sich an, als ob entweder der Weg und/oder die Brücke unpassierbar ist. Nach einigem Hin und Her fragen wir, ob man denn zu Fuß rüber könne, was sie bejahen, es bleibt jedoch der skeptische Blick auf unsere Räder.

Wir beschließen trotzdem weiter zu fahren. Etwas weiter unten können wir endlich die Brücke ausmachen, sie ist heil! Allerdings ist hinter der Brücke der halbe Berg runter gekommen, ein riesiger Schutt- und Steinhaufen liegt auf unserem Weg. Kurz vor der Brücke hat sich der vom Berg runtergespülte schlickige Lehm auf einer Länge von etwa zehn Metern gesammelt und als Markus, der vor mir geht, sein Rad durchschieben will versinkt er bis zu den Knöcheln im Schlamm und seine Räder sacken bis zu den Speichen ein. Allein kommt er nicht mehr vorwärts und so ziehe ich meine Socken aus und schiebe von hinten. Die gleiche Prozedur noch mit meinem Rad und dann haben wir die Brücke erreicht, welche gut passierbar ist. Hinter der Brücke erwartet uns jedoch der Schutthauften. Ein wenig weiter unterhalb der Brücke können wir eine verlassene Hütte ausmachen, mit ein recht ebenen Rasenfläche davor. Wir beschließen heute nicht mehr weiter zu “fahren” und dort unten unser Zelt aufzuschlagen. Also Räder abpacken, alles über den Geröllhaufen zu unserem Nachtplatz schleppen. Das Zelt ist schnell aufgebaut, Bad wieder im Fluss. Markus holt ein paar mal Wasser um Reifen, Kette, und Bremsen vom Schlamm zu befreien.

Ein paar Menschen auf Mauleseln ziehen vorbei und ein Motorradfahrer mit seiner Geländemaschine kommt von oben. Wir fragen ihn, ob es bis oben so weiter geht mit dem Weg und er sagt, es werde langsam besser und die Schutthaufen kleiner. Schluck! Wir kochen, versuchen nicht an morgen zu denken und genießen unseren idyllischen Platz am Fluss. Jetzt gibt es sowieso kein Zurück mehr!

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 2

Teil 2 Wegelagerer

Eigentlich sollten wir heute morgen um sieben Uhr Frühstück bekommen… Uneigentlich weiß die Frühschicht aber nichts davon. So essen wir erst unser Müsli und bekommen nach und nach heißes Wasser, Tee, Eier, Brötchen und Marmelade. Alles gut so, man kann ja sowieso nicht alles auf einmal essen. Um acht rollen wir aus dem Dorf und kurz danach ziehen wir unsere Socken aus, da vor uns die Strasse überschwemmt ist. Freundliche Strassenarbeiter in Gummistiefeln weisen uns die beste Fahrspur und der kleine Hübi in mir hat Spass bei dem nassen Abenteuer.

Ein gut fahrbarer Schotter hat den Asphalt abgelöst. Wir fahren bei wunderbarem Wetter tendenziell bergauf und sehen die ersten Terrassenfelder. Alle halbe Stunde kommt ein LKW auf dem Weg zur Miene vorbei, ansonsten sehen wir niemanden und es ist herrlich ruhig. Nach unserer üblichen Mittagspause mit den etwas schlappen Brötchen und Käse biegen wir ab Richtung Huanca und sind (juchuu!) wieder auf Asphalt. Die Straße schlängelt sich entlang eines Tals ganz gemächlich bergauf. Immer wieder fahren wir Slalom durch dicke Felsbrocken und Geröll. Der Regen hat seine Spuren hinterlassen! Wir lernen schon bald, was der Regen noch alles mit den Strassen anstellt. An zwei Stellen ist die Straße so unterspült, das der Asphalt weggebrochen ist. An der zweiten Stellen müssen wir die Räder durch das Flußbett parallel zur nicht mehr existenten Straße schieben. Für uns ist das aber immer noch einfacher als für den Busfahrer, der den gleichen Weg nahm und nun von Hand mit den Steinen eine Spur für den Bus legt. Er ist seit gestern hier und trinkt gierig und dankbar das Wasser was ich ihm anbiete.
Am Nachmittag ziehen Wolken auf und wir suchen nach einem geeigneten Zeltplatz. Das ist gar nicht so einfach, da es so viele ebene Flächen nicht gibt und wenn, zeigen die Spuren des letzten Regens, das hier das Wasser entlang läuft… Am Ende bauen wir unser Heim auf einem Spurweg auf. Wir haben seit Stunden kein Auto mehr gesehen und hoffen mal, das hier auf dem Nebenweg erst recht keines mehr kommt.

Es ist angenehm früh, wir haben unsere Strecke gut geschafft und geniessen das Lagerleben auf 3200 m. Etwas unterhalb des Weges ist ein Fluss in dem wir uns waschen, ich mache Fotos von den Kakteen, die zu Hause als Zierpflanzen auf der Fensterbank stehen und mit der einbrechenden Dämmerung strömt ein leckerer Geruch aus unserer Campingküche. Es wird schnell kühl und wenn alles fertig ist freue ich mich immer wieder über meinen kuschelig warmen Schlafsack!

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 1

Teil 1 Gemächlicher Abschied aus der Zivilisation

Unsere kleine Wohnung verlassen wir mit gemischten Gefühlen. Wir nehmen Abschied von der Geborgenheit und brechen auf ins Unbekannte. Es ist auch Zeit zu gehen, sonst schlagen wir aus Bequemlichkeit noch Wurzeln!

Da wir drei Wochen lang kaum auf dem Rad gesessen haben ist unsere erste Etappe auf dem Weg zum zweittiefsten Cañon der Welt eine kurze. Das Ziel ist Yura, ein kleines Dorf mit heißen Quellen, so eine Art peruanischer Kurort. Schön, dass heute Sonntag ist, so ist der Verkehr in der Stadt deutlich ruhiger. Trotzdem nerven die Abgaswolken auf dem Weg hinaus. Vorbei am kleinen Flughafen haben wir bei bestem Wetter noch einmal Sicht auf die drei Vulkane Chachani, El Misti und Picchu Picchu. Es ist ein imposantes Abschiedpanorama, insbesondere jetzt, wo ich meine Bekanntschaft mit dem El Misti gemacht habe.

Der Weg aus Arequipa zieht sich. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt und diese ufert dadurch aus. Die Vororte sind ärmlich, der Name Ciudad de los Dios ist der blanke Hohn.

Irgendwann ist abrupt Schluss mit Häusern und Autos. Wir hören wieder das Rollen unserer Räder auf dem Asphalt und die Sonne scheint uns wohlig warm auf dem Kopf. In meinem Bauch macht sich nun die Abenteurlust breit. Wir sind “back on the road”!
Trotz einiger Blumen und dem zarten Grün der Grasbüschel ist es staubig. Wir sind immer noch in einer Wüste, die sich nach dem vielen Regen in den letzten Wochen versucht zu tarnen.

An einem Zementwerk verlassen wir die Hauptstraße und biegen ab nach Yura. Der nächste Ort sieht so gar nicht nach heißen Quellen aus und die paar Läden, die es gibt, sind geschlossen. Mir kommen Zweifel, ob wir heute noch faul im Wasser liegen können. Hinter dem Ort fragen wir ein Frau, die auch in unsere Richtung läuft, nach den Bädern und die Zweifel verfliegen. Einen knappen Kilometer weiter tragen wir unsere Sachen ins Hotel Yura, welches wohl besser Schimmelzimmer heißen sollte. Von außen blauweiß gestrichen hat es romantischen colonialen Charme. Aber wie so oft gibt es auch hier ein Problem mit der Feuchtigkeit in den Wänden, warum auch immer.

Wir nehmen unsere Badesachen und machen uns auf in eines der kleinen Planschbecken mit wohltemperierten Wasser, dass durch die natürlichen Sulfate etwas müffelt. Aber die zahlreichen Perunaer scheinen sich wohl zu fühlen. Unsere Haut ist nach dem Bad zart wie ein Kinderpopo und wir lassen uns das Essen im Hotel schmecken.

Nach einem Verdauungsspaziergang beginnt es sintflutartig zu regnen…. Gut das wir heute noch mal ein festes Dach über dem Kopf haben. Offensichtlich war unsere Entscheidung für einen faulen ersten Tag die richtige.

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