2. April 2012

Von: Alexandra

Leidensweg und Freudentränen Teil 3 Wo bitte geht’s zum Cañon?

Teil 3 – Wo bitte geht’s zum Canyon?

Kurz nach dem Frühstück kommt auf unserem Spurweg ein Peruaner entlang. Er ist klein, trägt alte, zerschlissene Klamotten und Sandalen, die es hier überall gibt und deren Sohle aus alten Autoreifen gemacht wird. Es ist noch früh und kalt und wir gucken auf seine Füße. Er spricht uns an, jedoch verstehen wir nichts, da er in einem unverständlichen Dialekt spricht. Wir sagen “no comprendo” und er bleibt einfach stehen. Wir vermuten, dass er wissen möchte, wie wir hierher gekommen sind und so versuchen wir zu erklären, dass wir mit dem Rad da sind. Er versteht uns auch nicht, was ihn aber nicht zu stören scheint. Da sich die Konversation etwas schwierig gestaltet und wir ja auch noch weiter müssen machen wir mit unseren Morgenaktivitäten weiter. Nach einer Weile geht der Peruaner auf die andere Seite vom Zelt, wo er unsere Räder entdeckt. JETZT versteht er “ah, bicicletta”! Danach bleibt er auch dort stehen, schaut sich die Räder an und scheint nachzudenken. Nach geraumer Zeit geht er in die Richtung weiter, aus der wir gekommen sind.

Wir packen unsere Sachen zu Ende und machen uns daran, die letzten Höhenmeter zum Pass zu erklimmen. Wir kommen gut voran, nur leider ist bald unsere schöne Teerstraße zu Ende. Bis Cabanaconde gibt es jetzt nur noch Schotter. Aber das Wetter ist großartig und wir sind motiviert. Die umliegenden, schneebedeckten Vulkane zeigen sich immer wieder und wir können uns an der Schönheit dieser Landschaft nicht satt sehen. Wir machen viele Fotostopps oder halten einfach nur, um zu schauen.

Nach Huanca geht es nun nur bergab und wir hubbeln langsam über den Schotter nach unten. Als wir uns dem Dorf nähern, treffen wir auch wieder auf die ersten Menschen. Hier auf dem Land in den Bergen in der Abgeschiedenheit sind sie noch freundlicher, als wir es ohnehin schon gewohnt sind, wir werden mit Handschlag begrüßt, sie fragen woher wir kommen und wohin wir fahren, finden es toll, dass wir aus Alemania kommen, wollen unsere Namen wissen und freuen sich, dass wir ihr Land und Dorf mit dem Rad bereisen. Endlich sind wir da wo wir hinwollten, in der Natur und bei Menschen, die noch Zeit haben, die der Zivilisationsstress noch nicht erfasst hat.

In Huanca angekommen besorgen wir uns erst mal was zu essen (Empanadas) und den dringend nötigen Zucker-Koffein-Kick: Cola! Wir haben Bärenhunger, wovon die Empanadas nur die Oberfläche stillen. Die Dorfcops sprechen uns an, wir beantworten obige Fragen und posieren für Fotos. Außerdem werden wir befragt, wie es denn mit der Straße nach Arequipa aussieht, ob sie wieder befahrbar sei, weil doch so lange kein Versorgungswagen durchgekommen sei.

Anschließend heißt es Wasser aufnehmen, 12 Liter, die wir aus kleinen Flaschen umfüllen, weil eben seit Tagen kein Auto durchgekommen ist. Und wir haben zum ersten mal die grandiose Idee eine unserer Flaschen mit Cola zu füllen. Eine weise Entscheidung wie sich herausstellen wird.

Im Dorf hören wir zum ersten Mal, dass etwas mit der Brücke im Canyon sein soll. Wir fragen, ob man mit dem Rad durchkommt und bekommen unterschiedliche Aussagen zur Antwort. Wir fahren trotzdem weiter, wollen wir doch 1. nicht umkehren und 2. nicht schon wieder in den Bergen scheitern.

Nach einigem Auf und Ab hinter dem Dorf kommen wir an den oberen Rand des Canyons. Auf der gegenüber liegenden Seite können wir sehen, wo wir wieder rauf müssen. Weia! Aber erst mal geht es, auf einem schlechten, durch den vielen Regen ausgewaschenen Weg, bergab, so dass wir hier schon teilweise schieben. Nach ein paar Kehren sitzen drei Peruaner am Hang und fragen wo wir denn hinwollten. Wir erklären: “Durch den Canyon, mach Lluta.” Sie antworten etwas, was wir mal wieder nicht so richtig verstehen aber es hört sich an, als ob entweder der Weg und/oder die Brücke unpassierbar ist. Nach einigem Hin und Her fragen wir, ob man denn zu Fuß rüber könne, was sie bejahen, es bleibt jedoch der skeptische Blick auf unsere Räder.

Wir beschließen trotzdem weiter zu fahren. Etwas weiter unten können wir endlich die Brücke ausmachen, sie ist heil! Allerdings ist hinter der Brücke der halbe Berg runter gekommen, ein riesiger Schutt- und Steinhaufen liegt auf unserem Weg. Kurz vor der Brücke hat sich der vom Berg runtergespülte schlickige Lehm auf einer Länge von etwa zehn Metern gesammelt und als Markus, der vor mir geht, sein Rad durchschieben will versinkt er bis zu den Knöcheln im Schlamm und seine Räder sacken bis zu den Speichen ein. Allein kommt er nicht mehr vorwärts und so ziehe ich meine Socken aus und schiebe von hinten. Die gleiche Prozedur noch mit meinem Rad und dann haben wir die Brücke erreicht, welche gut passierbar ist. Hinter der Brücke erwartet uns jedoch der Schutthauften. Ein wenig weiter unterhalb der Brücke können wir eine verlassene Hütte ausmachen, mit ein recht ebenen Rasenfläche davor. Wir beschließen heute nicht mehr weiter zu “fahren” und dort unten unser Zelt aufzuschlagen. Also Räder abpacken, alles über den Geröllhaufen zu unserem Nachtplatz schleppen. Das Zelt ist schnell aufgebaut, Bad wieder im Fluss. Markus holt ein paar mal Wasser um Reifen, Kette, und Bremsen vom Schlamm zu befreien.

Ein paar Menschen auf Mauleseln ziehen vorbei und ein Motorradfahrer mit seiner Geländemaschine kommt von oben. Wir fragen ihn, ob es bis oben so weiter geht mit dem Weg und er sagt, es werde langsam besser und die Schutthaufen kleiner. Schluck! Wir kochen, versuchen nicht an morgen zu denken und genießen unseren idyllischen Platz am Fluss. Jetzt gibt es sowieso kein Zurück mehr!

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 2

Teil 2 Wegelagerer

Eigentlich sollten wir heute morgen um sieben Uhr Frühstück bekommen… Uneigentlich weiß die Frühschicht aber nichts davon. So essen wir erst unser Müsli und bekommen nach und nach heißes Wasser, Tee, Eier, Brötchen und Marmelade. Alles gut so, man kann ja sowieso nicht alles auf einmal essen. Um acht rollen wir aus dem Dorf und kurz danach ziehen wir unsere Socken aus, da vor uns die Strasse überschwemmt ist. Freundliche Strassenarbeiter in Gummistiefeln weisen uns die beste Fahrspur und der kleine Hübi in mir hat Spass bei dem nassen Abenteuer.

Ein gut fahrbarer Schotter hat den Asphalt abgelöst. Wir fahren bei wunderbarem Wetter tendenziell bergauf und sehen die ersten Terrassenfelder. Alle halbe Stunde kommt ein LKW auf dem Weg zur Miene vorbei, ansonsten sehen wir niemanden und es ist herrlich ruhig. Nach unserer üblichen Mittagspause mit den etwas schlappen Brötchen und Käse biegen wir ab Richtung Huanca und sind (juchuu!) wieder auf Asphalt. Die Straße schlängelt sich entlang eines Tals ganz gemächlich bergauf. Immer wieder fahren wir Slalom durch dicke Felsbrocken und Geröll. Der Regen hat seine Spuren hinterlassen! Wir lernen schon bald, was der Regen noch alles mit den Strassen anstellt. An zwei Stellen ist die Straße so unterspült, das der Asphalt weggebrochen ist. An der zweiten Stellen müssen wir die Räder durch das Flußbett parallel zur nicht mehr existenten Straße schieben. Für uns ist das aber immer noch einfacher als für den Busfahrer, der den gleichen Weg nahm und nun von Hand mit den Steinen eine Spur für den Bus legt. Er ist seit gestern hier und trinkt gierig und dankbar das Wasser was ich ihm anbiete.
Am Nachmittag ziehen Wolken auf und wir suchen nach einem geeigneten Zeltplatz. Das ist gar nicht so einfach, da es so viele ebene Flächen nicht gibt und wenn, zeigen die Spuren des letzten Regens, das hier das Wasser entlang läuft… Am Ende bauen wir unser Heim auf einem Spurweg auf. Wir haben seit Stunden kein Auto mehr gesehen und hoffen mal, das hier auf dem Nebenweg erst recht keines mehr kommt.

Es ist angenehm früh, wir haben unsere Strecke gut geschafft und geniessen das Lagerleben auf 3200 m. Etwas unterhalb des Weges ist ein Fluss in dem wir uns waschen, ich mache Fotos von den Kakteen, die zu Hause als Zierpflanzen auf der Fensterbank stehen und mit der einbrechenden Dämmerung strömt ein leckerer Geruch aus unserer Campingküche. Es wird schnell kühl und wenn alles fertig ist freue ich mich immer wieder über meinen kuschelig warmen Schlafsack!

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 1

Teil 1 Gemächlicher Abschied aus der Zivilisation

Unsere kleine Wohnung verlassen wir mit gemischten Gefühlen. Wir nehmen Abschied von der Geborgenheit und brechen auf ins Unbekannte. Es ist auch Zeit zu gehen, sonst schlagen wir aus Bequemlichkeit noch Wurzeln!

Da wir drei Wochen lang kaum auf dem Rad gesessen haben ist unsere erste Etappe auf dem Weg zum zweittiefsten Cañon der Welt eine kurze. Das Ziel ist Yura, ein kleines Dorf mit heißen Quellen, so eine Art peruanischer Kurort. Schön, dass heute Sonntag ist, so ist der Verkehr in der Stadt deutlich ruhiger. Trotzdem nerven die Abgaswolken auf dem Weg hinaus. Vorbei am kleinen Flughafen haben wir bei bestem Wetter noch einmal Sicht auf die drei Vulkane Chachani, El Misti und Picchu Picchu. Es ist ein imposantes Abschiedpanorama, insbesondere jetzt, wo ich meine Bekanntschaft mit dem El Misti gemacht habe.

Der Weg aus Arequipa zieht sich. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt und diese ufert dadurch aus. Die Vororte sind ärmlich, der Name Ciudad de los Dios ist der blanke Hohn.

Irgendwann ist abrupt Schluss mit Häusern und Autos. Wir hören wieder das Rollen unserer Räder auf dem Asphalt und die Sonne scheint uns wohlig warm auf dem Kopf. In meinem Bauch macht sich nun die Abenteurlust breit. Wir sind “back on the road”!
Trotz einiger Blumen und dem zarten Grün der Grasbüschel ist es staubig. Wir sind immer noch in einer Wüste, die sich nach dem vielen Regen in den letzten Wochen versucht zu tarnen.

An einem Zementwerk verlassen wir die Hauptstraße und biegen ab nach Yura. Der nächste Ort sieht so gar nicht nach heißen Quellen aus und die paar Läden, die es gibt, sind geschlossen. Mir kommen Zweifel, ob wir heute noch faul im Wasser liegen können. Hinter dem Ort fragen wir ein Frau, die auch in unsere Richtung läuft, nach den Bädern und die Zweifel verfliegen. Einen knappen Kilometer weiter tragen wir unsere Sachen ins Hotel Yura, welches wohl besser Schimmelzimmer heißen sollte. Von außen blauweiß gestrichen hat es romantischen colonialen Charme. Aber wie so oft gibt es auch hier ein Problem mit der Feuchtigkeit in den Wänden, warum auch immer.

Wir nehmen unsere Badesachen und machen uns auf in eines der kleinen Planschbecken mit wohltemperierten Wasser, dass durch die natürlichen Sulfate etwas müffelt. Aber die zahlreichen Perunaer scheinen sich wohl zu fühlen. Unsere Haut ist nach dem Bad zart wie ein Kinderpopo und wir lassen uns das Essen im Hotel schmecken.

Nach einem Verdauungsspaziergang beginnt es sintflutartig zu regnen…. Gut das wir heute noch mal ein festes Dach über dem Kopf haben. Offensichtlich war unsere Entscheidung für einen faulen ersten Tag die richtige.

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7. März 2012

Von: Markus

El Misti

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Als ich vor ein paar Tage den ersten wolkenfreien Blick auf den Hausberg von Arequipa erhasche bin ich sprachlos. Der Vulkan wächst wie ein Gigant aus der Ebene oberhalb
Arequipas. El Misti, 5822 Meter hoch, ist ein Bilderbuch Vulkan mit einem perfekten Kegel und jetzt am Ende der Regenzeit mit einer schneebedeckten Spitze. Bei dem Anblick verstehe ich das die Indigenen Völker diese Berge mit Göttern in Verbindung bringen.

Heute fahren wir mit einem 4 by 4 auf die Nordseite des Berges. Ich will versuchen einen Blick in den Krater zu werfen. Jochen begleitet mich. Er kennt den Weg, ist Arequipeñer mit ungewöhnlichem Namen und als Bergführer und arbeitet für Pablo Tours steigt er in der Hauptsaison bis zu drei mal pro Woche auf den El Misti. Nach drei Stunden Schüttelei auf einer grauenvollen Straße oberhalb des Rio Chili schnallen wir auf 4300 m unsere Rucksäcke auf und machen uns auf dem Weg ins Basecamp. Wir laufen schon in Regenkleidung los, denn es fallen ein paar Tropfen und der Wind ist ziemlich kühl. Ich habe vorbeugend eine Soroche Pille genommen. Es ist das moderne Medikament gegen die Höhenkrankheit, besteht aus Aspirin und Koffein und kann somit die Müdigkeit und die Kopfschmerzen unterdrücken.

Mir geht es gut, als wir die ersten Schritte in der losen Vulkanasche machen, auch wenn ich reichlich schnaufe. El Misti hat sich versteckt. Um uns herum verändern die flüchtigen Wolken ständig die Aussicht. Mein Blick folgt den Fußspuren von Jochen, die vor mir den Weg zwischen pieksigen kniehohen Grasbüscheln bilden. Jochen dreht sich immer mal wieder um, fragt wie es mir geht und setzt dann langsam und wunderbar gleichmäßig seinen Weg fort. Ohne Uhr und GPS habe ich keine Kontrolle wo wir sind und wie weit es noch ist. Irgendwann an einem Fels machen wir Rast. Kaum sitze ich im Windschatten an den Stein gelehnt beruhigt sich mein Atem. Das tut gut! Während wir essen und trinken erzählt Jochen vom El Misti und der Gefahr für Arequipa. Das Stadtzentrum ist nur 17 km entfernt und die Menschen hoffen, das die Messtechnik rund um den Berg sie rechtzeitig vor einem Ausbruch des Vulkans warnt, damit sie flüchten können. In der Welt um uns herum wachsen nur wenige Pflanzen, trotzdem leben auf dieser Höhe noch Tiere. Insekten, Mäuse, Hasen und auch der Puma schafft es hier oben zu überleben.

Wir gehen weiter und erreichen irgendwann die aus losen Steinen aufgeschichteten Grundmauern einer ehemaligen Hütte auf 4800 m (Höhe des Mt Blanc, höchster Berg der Alpen). Ein Dach gibt es nicht mehr. Wir nutzen die Mauern als Schutz vor dem Wind, der uns inzwischen eisig um die Ohren pfeift. Das Zelt ist schnell aufgebaut und eingerichtet. Während Jochen kocht, erfahre ich, daß er mit sieben Jahren begann seinen Vater zu begleiten, der als Träger und Bergführer arbeitete. Jochen ist buchstäblich in die Fußtapfen seines Vaters getreten. Er kennt die Berge Perus und liebt seine Arbeit. Ein Mal hat er versucht eine “normale” Arbeit in der Stadt anzunehmen, aber das war ihm zu langweilig. Anhand von Liedertexten und mit Hilfe der Touristen hat er sich Englisch beigebracht. Wenn er die Gelegenheit hat geht er mit seinem Sohn in die Berge, damit er lernt mit der Natur leben.
Wir führen unser Gespräch auf Spenglish, lassen die Grammatik beiseite und verstehen uns ganz hervorragend.

Nach Nudeln mit Hühnerbein und einer Tasse Tee krieche ich durchgefroren in meinen Schlafsack. Es ist 17:30, ich habe Kopfschmerzen, schlafe aber schnell ein. Um 21:45 wache ich auf. Mir ist speiübel und mein Kopf droht zu zerplatzen. Ich krabbel aus dem Zelt. Tiefes Atmen und immer wieder Schlucken verhindert, das ich mich übergebe. Wieder im Zelt nehme ich Aspirin und folge Jochens Anweisung mehr zu Atmen, damit mein Kopf besser mit Sauerstoff versorgt wird. Es hilft, ich schlafe wieder ein. Allerdings wache ich immer wieder mit Atemnot auf, japse ein paar mal und dussele wieder ein.

Um 00:30 klingelt der Wecker. Mir ist immer noch übel, aber die Kopfschmerzen sind weg. Jochen nennt das Fortschritt. Wir trinken noch Tee, und krabbeln dann aus dem Zelt. Draußen mache ich meine Strinlampe aus und blicke gen Himmel. Millionen von Sternen, die Milchstraße wird deutlicher, je mehr sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Ich japse nach Luft und wir gehen los. Langsam, gaaanz langsam. Ich schaue auf den Weg vor mir und die Schritte von Jochen. Ich atme wie beim 2000 m Lauf. Mein Magen hängt auf halb acht. Die Zeit vergeht, Schritt um Schritt. Ich habe keine Ahnung wo wir sind oder wie spät es ist. Es ist stockfinster, der Weg im Lichtkegel der Strinlampe sieht immer gleich aus. Ich bin müde und die Kälte kriecht in meine Füße und Hände. Ich stelle mir vor, auf dem Gipfel anzukommen, oder Alex von dieser Tour zu erzählen, darüber vergesse ich das aktive Atmen und ein Gefühl wie nach 25 Meter Streckentauchen hohlt mich zurück in die Wirklichkeit. Mir ist hundeelend. Jochen gibt alles um mich zu motivieren. Wir gehen noch langsamer, machen Pause essen Schokolade und trinken ein paar Schluck eiskaltes Wasser aus unseren Flaschen. “Denke nicht an den Gipfel, geniesse jeden Schritt!” -????-

Unzählige Schritte weiter kommt die Frage nach dem “Warum” auf. “Weil ich es wollte” ist die Antwort. Aber um 04:00 auf 5400m gebe ich auf. Ich bin müde, diese Atemnot macht mich fertig, immer wenn ich zu wenig atme, wird mir schlecht. Das ist es nicht wert. Ich will runter, ich will Luft! Jochen weist mich darauf hin, dass es bald hell wird, aber das ist mir egal. Wir steigen ab. Nach einer halben Stunde wird es tatsächlich hell und die Welt nimmt Formen an, erst in Blautönen, dann nach und nach kommen zaghaft Rot und Grün hinzu. Ein wunderbares Schauspiel. Weiße Bergspitzen, dunkelblauer Himmel, im Tal die Wolken. So groß, so weit diese Welt. Mir wird klar: Ich habe gar nicht verloren. Ich bin hier!

Auf dem weiteren Weg nach unten kommt die Sonne über den Horizont und ich geniesse die Wärme im Gesicht. Bergab ist die Atemnot weg und mit jedem Schritt freue ich mich, dass ich es versucht habe. Um 09:30 sitzen wir wieder im Auto und lassen uns durchschütteln. Vor unserem kleinen Apartment verabschiede ich mich von Jochen, einem Bergführer, dem ich für ein paar Stunden blind vertraut habe.

“Du solltest wieder kommen. Du schaffst es beim nächsten Mal”

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7. März 2012

Von: Markus

Begegnungen

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Am Ende eines armen Dorfes in der Peruanischen Wüste, muss ich meinen Reifen flicken. Ein Junge, vielleicht acht Jahre, kommt dazu und schaut stumm zu. Ich stelle mich vor, sage das ich nur schlecht Spanisch spreche. Er hilft mir beim Flicken, sagt mir das spanische Wort für Reifen. Als ich fertig bin, gebe ich ihm neben Gummibärchen unsere Karte mit unserem Bild und erkläre ihm das es mein Traum ist durch sein Land zu fahren, weil es einzigartig ist in der Welt. Er lächelt.

Im Restaurant im Hafen spricht uns ein großer glatzköpfiger Mann vom Nachbartisch an. Im Arm seine propere gut gekleidete Frau, fragt er ob wir die zwei mit dem Fahrrad seien, die er heute Mittag auf der Panamerikana gesehen hat. Wir bejahen. Er ist begeistert, und erklärt seiner Frau wie stark wir sein müssen um so etwas zu machen. Er schüttelt uns zum Abschied die Hand und wünscht uns alles Gute.

Wir fragen die alte Marktfrau mit dunkler sonnengegerbter Haut, welche Kartoffeln gut sind um Suppe zu kochen. Sie steht langsam auf und muss ihren altersmüden Rücken strecken, um an die Kartoffeln in den oberen Kisten ihres Standes zu kommen. Eine Kartoffel schneidet sie eine an und zeigt uns wie wir sie vordem Kochen Würfeln sollen. Sie gibt uns die Menge für zwei Personen und packt frische Kräuter dazu. Sie seien gesund! Ihr Gesicht ist so alt aber so liebevoll und gutmütig.

Ich liege auf dem Bauch im Sand. “Uno” Ich rudere mit den Armen. “Dos” Ich stütze meine Hände auf. “Tres” Ich stelle mich auf das imaginären Surfbrett. Später im Wasser, als wir auf die perfekte Welle warten, spreche ich Spanisch und José mein Surflehrer Deutsch. Seine Freundin lebt und studiert in Deutschland, darum will er die Sprache lernen. “Eins” Mit den Armen rudern. “Zwei” Aufstützen. “Drei” José und die Welle schieben von hinten…. Für einige Sekunden stehe ich auf den Brett und lasse mich von den Wellen Richtung Strand tragen. Que bien!

An der Einfahrt zur bewässerten Agrarfarm in der Wüste steht ein Schatten spendender Baum. Unser Pausenplatz. Der Sicherheitsbeamte (Seguridad) der das Tor zur Farm bewacht begrüßt uns freundlich. Alle Reisenden, egal ob mit Rad, zu Fuß, oder mit dem Auto machen hier Pause. Es ist der einzige Schattenplatz weit und breit. Er erzählt von anderen Radlern, die hier vorbeigekommen sind. Zwei Arbeiterinnen kommen heraus. Sie haben Feierabend und fragen nach Wasser. Der Wachmann verneint, das Wasser aus der Bewässerungsanlage, das den Baum versorgt enthält Dünger. Wir haben genug Wasser und Alex gibt gerne etwa ab.

Arequipa, in einem alten, im Colonialstil erbaut und eingerichteten Hotel, sitzen wir mit einer Bremer Familie bei Kaffee und Kuchen. Wir tauschen Reiseerlebnisse aus, plaudern über Bremen. Orte, Straßennamen aus der gemeinsamen Heimat werden genannt. Die zauberhaft kleine Tochter spielt auf einem iPad. Sie ist blond! Ein selten gewordenes Bild in dieser Welt der Menschen mit schwarzem glänzenden Haar.
Für uns ist es Nachmittag lang Heimat. In Bremen wollen wir uns Wiedersehen.

 

27. Februar 2012

Von: Alexandra

Arriba – Zweiter Versuch

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Alle, die unseren Blog verfolgen wissen, dass, als wir das erst Mal versucht haben die Anden raufzuradeln, es nicht wirklich geschafft haben. Nachdem wir also in Ecuador abgek**** sind dachten wir, dass wir jetzt erst mal an der Küste in der Wüste radeln sollten. Und siehe da, dieser Landstrich, der nicht zum Gringotrail gehört, hat auch einiges zu bieten: wir sehen unwirkliche Landschaften, merken, dass man am Mittag quasi fast keinen Schatten wirft, aber auch, dass es hier in der Küstenwüste aufgrund des Humboldtstroms, der den Pazifik kühlt, nicht richtig heiß ist, was das Radeln sehr angenehm macht.

Aber wir wollen natürlich auch die Berge sehen, also haben wir alles was an Karten auffindbar ist durchwühlt und schließlich beschlossen, es noch mal zu versuchen. Diesmal wird es genau so sein, wie es Markus auf der Rückseite der Postkarte geschrieben hat, die wir immer verteilen:”… Auf einer Strecke von 300 km auf eine Höhe von 4000 m durch alle Klimazonen der Erde. – Mit dem Fahrrad!” Wir werden also buchstäblich ein letztes Bild vom Meer machen und dann anfangen bergauf zu fahren.

Nach Camaná geht’s dann auch ziemlich schnell hoch und wenn die Karten Recht haben bleibt das jetzt auch so, bis wir auf 1000 m eine Ebene erreicht haben. Ziemlich schnell merken wir, dass die peruanischen Straßenbauingenieure mehr Plan von ihrem Job haben als die Ecuadorianischen. Sie scheinen tatsächlich auf dem Zettel zu haben, dass ihre Straßen nicht nur von Eseln und Fußgängern benutzt werden, sondern auch von motorbetriebenen Fahrzeugen, die manchmal schwer beladen sind und auch sicher den Berg rauf wollen. Und natürlich Reiseradler. Die Steigung bewegt sich meist so um 5%, was sich zwar langsam, aber gut fahren lässt.

Von den vielen Bussen, die uns überholen ist einer liegengeblieben und steht am Straßenrand. Die meisten Fahrgäste sind ausgestiegen und quetschen sich in das bisschen Schatten welches der Bus spendet. Als sie uns den Berg hochschwitzen sehen jubeln sie uns zu und einer von ihnen ruft so etwas wie: “Ihr seid zwar langsam aber kommt wenigstens vorwärts!” Ein paar Höhenmeter weiter werden wir sehr langsam von ein paar schwer beladenen LKW überholt. Wir fahren so ca. 6 km/h und sie ungefähr 10. Der Fahrer winkt und bedeutet uns, uns hinten dran zu hängen, damit er uns ziehen kann. Luis uns Lacey, das amerikanischer Overlandpaar, hat uns schon erzählt, dass sie so etwas oft gesehen haben. Also wollen wir es auch ausprobieren. Und es funktioniert! Aber man hängt nicht ganz entspannt hinten dran, es ist ziemlich anstrengend, weil man ja das eigene Gewicht, das des Fahrrads und des Gepäcks mit einem Arm halten muss, was summasummarum so um die 100 kg sind. Also trete ich mit, während ich mich festhalte, was genauso anstrengend ist wie vorher ABER dafür bin ich jetzt doppelt so schnell. Und wir schaffen auf diese Art und Weise ziemlich fix so um die 100 Höhenmeter.

Als wir die 1000 m erreicht haben gibt es sogar so eine Art Colastand! Es ist zwar eher eine dieser Strohhütten in denen die Menschen gleichzeitig leben (es riecht nach Essen) aber es gibt eben auch ein kleines Regal auf dem 2! kleine Flaschen Cola stehen. Das sind unsere! Sie sind zwar nicht gekühlt aber enthalten den Zucker und das Koffein welches wir jetzt so dringend brauchen. Wir kommen gut voran und am Ende des Tages schlagen wir unser Zelt an einem der bisher ungewöhnlichsten Orte dieser Reise, in einem dieser unfertigen “Häuser”, die hier oft am Straßenrand stehen, auf. Nachdem wir die ganze Hunde- und Menschenkacke entfernt haben, können wir einziehen. Es ist nicht perfekt, aber wir stehen windgeschützt und sind von der Straße aus nicht sichtbar.

Der nächste Tag verspricht entspannter zu werden, wir müssen heute nicht so viele Höhenmeter fahren. Wir kommen an einigen kleineren Canyons und einem Flusstal vorbei welches, wie immer hier, landwirtschaftlich genutzt wird. Wir fahren sogar durch einen kleinen Tunnel. Die bergige Wüstenlandschaft ist wie von einem andern Stern und wir genießen die heutige Tour. Nachmittags kommen wir durch einen kleinen Ort in dem es wieder die obligatorische Cola gibt. Beim Rausfahren passieren wir eins dieser Slumgebiete, diesmal werden wir von vielen fiesen (manchmal großen, fiesen!) Hunden angebellt und verfolgt. Nachdem wir diese unfreundliche Gegend hinter uns gelassen haben finden wir außer Sichtweite, weit weg von der Straße, einen schönen Platz zum Zelten, mitten im Wüstensand. Nur das Meer fehlt noch zum Strandfeeling. Kurz nachdem das Zelt steht fängt es an zu regnen und hört bis in der Nacht hinein nicht auf. Was stimmt nur nicht mit dieser Wüste?!? Aber wir liegen ja warm und trocken im Zelt und schlafen prima.

Am nächsten Tag sind es nur noch 40 km bis Arequipa, aber wir müssen noch auf 2350 m rauf. Die Straße windet sich wieder in angenehmen Serpentinen und es dauert nicht lange, bis die Wüste einer sanftgrünen, hügeligen Landschaft weicht. All die Pflanzen, die bei uns Zuhause so vor sich hinmickern wachsen in dieser Gegend des ewigen Frühlings in Hülle und Fülle. Heute ist allerdings eher Frühherbst angesagt, dunkle Wolken bauen sich über uns auf. Von ein Tankstelle aus rufen wir Jessica, unser Vermieterin, an und sind froh, sie gleich vor “unser” Wohnung treffen zu können. Wir schaffen es sogar, bevor es anfängt zu regnen.

WIR HABEN ES GESCHAFFT!! Von 0 auf 2350 m!!!

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