10. Mai 2012
Abschied für immer
Zum zweiten Mal auf unsere Reise erreicht uns heute die Nachricht über den Tod eines Menschen, dem wir begegnet sind. Diesmal ist die Frau eines reisenden Paares in den Bergen Argentiniens tödlich verunglückt. Es waren nicht wirklich Freunde von uns, wir haben sie nur zwei Mal auf unserer Reise getroffen und doch bin ich traurig. Ich werde den Gedanken an den Tod nicht los.
Manche wissen, dass sie sterben, weil sie krank sind. Sie haben die Chance, mit den Lieben zu sprechen und offene Fragen zu klären. Sie haben die Möglichkeit zu sagen, was vielleicht über viele Jahre ungesagt blieb und zu verzeihen, was lange zwischen ihnen stand. Vielleicht kann man seine Reise auf Erden dann ruhig und mit einem Lächeln beenden, weil die Erinnerung an das Leben etwas Gutes ist. Vielleicht kann, wer zurückbleibt den sterbenden Menschen gehen lassen, weil alles gesagt ist, weil sie sich mit den Erinnerungen an die guten Tage trennen. Vielleicht entsteht durch die Gespräche am Sterbebett Zuversicht und ein Einverständnis in Zukunft alleine neue Wege zu gehen. Die Traurigkeit wird das wohl nicht beenden, aber vielleicht die Panik etwas versäumt zu haben?
Was ist jedoch, wenn der geliebte Mensch durch einen Unfall so plötzlich aus dem Leben gerissen wird? Es geschieht, täglich und immer wieder! Nur wir, die es bisher nicht getroffen hat, blenden diese Möglichkeit aus, oder? Es gibt Lebensversicherungen, um sich finanziell abzusichern, oder um ein Haus zu finanzieren, aber der Gedanke an den Tod oder ans Sterben?
Ich bin nicht viel besser, aber diese Reise hat meine Sicht auf das Leben verändert. Arm oder reich hat einen anderen Wert bekommen. Luxus definiert sich nicht mehr an der Menge der Dinge, die ich um mich habe, und ich beginne zu verinnerlichen, dass es meine Gedanken und meine Sichtweise ist, die den Tag gut oder weniger gut erscheinen läßt.
In der ersten Todesnachricht, die wir erhielten, schrieb mein Freund: “Ich schreibe euch diese Zeilen, damit euch bewußt wird, dass das Leben endlich ist. Genießt jeden Tag eurer Reise.” So pathetisch es klingt, diese Nachricht und auch die zweite ist wie eine Lehre und ich muss mich dafür bedanken.
Ein ehemaliger Kollege von mir hat sich eines Tages von mir verabschiedet und gefragt, ob zwischen uns noch Fragen offen sind, oder ob wir uns in Freundschaft trennen. Er hat sich als Moslem auf den Pilgerweg nach Mekka gemacht und wollte dies mit reinem Herzen tun. Ein plötzlicher Unfalltod nimmt die Chance auf Versöhnung, auf die eine wichtige Frage, oder ein reines Herz.
Wieso ist der Tod in unserer Gesellschaft so düster, angsteinflössend und so traurig? Wo doch jedem klar sein muss, dass mit jeder Geburt und in ein paar Jahren auch ein neuer Tod ins Haus steht.
Ich fürchte mich vor einer langen Krankheit mit Schmerzen, und ich habe Sorge jemanden mit offenen Fragen zurückzulassen. Aber Angst vor dem Tod selbst…ich weiß nicht. Es ist das Ende. Es bringt mich zurück zur Natur. Ich glaube, mit meinen bescheidenen 43 Jahren, dass der Tod nichts Schlimmes ist. Er ist normal und Teil unserer Natur.
Der Gedanke an den Tod, das Bewusstsein, dass mein Leben endlich ist, ja jeden Augenblick enden kann, verändert mein Leben. Was bleibt denn nach meinem Leben noch was wichtig ist? Ein Haus, ein Fahrrad? Mitnehmen kann ich nichts in den Tod. Ich lasse alles zurück in der Welt der Lebenden.
Wenn ich an die beiden Verstorbenen denke, erinnere ich mich nicht an deren Reichtum oder Armut, an deren Besitz. Ich erinnere mich an Gespräche und daran, dass sie mir geholfen haben. Die eine Familie hat mich in ihrem Haus aufgenommen die andere hat uns im Nirgendwo der hohen Anden mit Wasser versorgt.
Ich danke Beiden für die Begegnungen und ich wünsche den Angehörigen Zuversicht und Mut für die kommenden Zeit. Ich denke an Euch.
4. Mai 2012
Der Luxusartikel
Es ist 21:00. Hier in Cusco ist es bereits seit drei Stunden dunkel. Ich liege im Zimmer unseres Hostals unter drei Decken. Es ist kalt und es gibt hier keine Heizung in den Häusern und Hostals. Ich habe einen langärmligen Pulli an, denn sonst frieren meine Arme beim Schreiben. Am liebsten würde ich mich heute ein zweites Mal duschen. Aus der Dusche hier kommt richtig viel Wasser und es ist wunderbar heiß. Das ist nicht immer so In Peru und wir wissen es zu schätzen seit dem wir in der Sierra sind, denn hier oben fallen die Temperaturen nachts oft auf den Gefrierpunkt.
Wir haben vier Klassen einer Abendschule besucht und von unserer Reise erzählt. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 8 und 18 Jahre alt. Sie gehen zur Abendschule, weil sie tagsüber arbeiten müssen. Diese Schule ist durch Projektgelder und durch die Schulgebühren finanziert, die die Kinder von ihrem sauer verdienten Geld bezahlen. Es gibt nur vier Klassenstufen, aber durch diese Schule sind die Chancen auf einen Job und ein selbstbestimmtes Leben viel größer. Deshalb kommen die Kinder freiwillig hierher!
Wir haben insgesamt drei Wochen Spanischunterricht hier in Südamerika genommen. Die Sprache hilft uns Kontakt zu den Menschen zu bekommen und somit die Kultur besser zu verstehen. Trotzdem fehlen mir viele spanische Worte um frei über ein Thema sprechen zu können. Immer wieder muss ich nachfragen, weil ich die Menschen nicht verstanden habe. So bleibt ein Gefühl wie in einer Zwangsjacke, weil ich mich nicht richtig mitteilen kann. Oft schweige ich, weil ich für das, was ich sagen will nicht die Vokabeln kenne.
Vor ein paar Tagen hat es mich erwischt. Ich hatte Grippe und habe mit Fieber im Bett gelegen. Zum Glück haben wir viel Zeit auf unserer Reise und können, wenn einer von uns krank ist, so lange Pause machen bis wir wieder fit genug sind, um mit dem Rad über die Berge zu fahren. Die Menschen hier verdienen an den Tagen, an denen sie wegen Krankheit nicht arbeiten, kein Geld. Es gibt nicht viele, die eine Krankenversicherung haben, wie wir in Deutschland. Das ist bitter, denn das Geld ist sowieso knapp, und durch die Krankheit wird es noch weniger. Oft sind dann noch teure Medikamente fällig.
An solchen Tagen, wenn es einem von uns nicht gut geht, vermissen wir unsere Freunde. Jemand dem wir mal unser Herz ausschütten können. Vor allem Jemand der unsere Sprache spricht und den wir gut genug kennen so daß wir uns wirklich verstehen. Ich begreife nun gut, warum sich in Deutschland die Migranten oft in bestimmten Vierteln einer Stadt niederlassen, oder warum sie gerne mit Menschen aus ihrem Heimatlamd zusammen sind. In einer fremden Welt ist es einfach schön Jemanden zu haben, der die gleiche Sprache spricht.
Ich schreibe an einem IPad, einem sehr modernen Gerät und habe Zugang zum Internet. Zugang zur Welt, zur Information und ich kann darüber mit Freunden und Familie kommunizieren. Computer sind hier deutlich teurer als in Deutschland und das Durchschnittseinkommen liegt um ein Vielfaches niedriger als bei uns. Für die meisten ist ein Rechner unerschwinglich. Hier gibt es, ich vermute vom Staat gefördert Internetcafés. Die sind günstiger und bieten die Chance auf die Möglichkeiten des Internets.
Wir lieben gutes Essen! Hier in Peru ist inzwischen eine ganz landestypische Küche mit vielen leckeren Spezialitäten enstanden. Ich glaube wir haben in den guten Restaurant inzwischen alles ein Mal ausprobiert.
Wir haben auch mit den Kindern hier im Hort gegessen. Sie haben Hunger und es ist unglaublich welche Mengen sie verputzen können. Sie fragen nicht was es gibt, sie beschweren sich auch nicht. Auch habe ich keinen Teller gesehen auf dem Reste liegen geblieben sind. “Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.” Ein Spruch meiner Mutter, den ich als Kind nahezu gefürchtet habe, denn ich war doch ziemlich lecker und habe vieles nicht gemocht.
Wir können uns leisten zu Reisen. Es ist wohl die eindrücklichste Form des Lernens. Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, mit anderen Kulturen, Sprache, und der Vergleich mit dem eigenen Leben in der Heimat. Kein Frontalunterricht eines Lehrers über ein Thema was uns aktuell gar nicht betrifft.
Wer sind wir, dass wir uns beklagen, wenn der Lieblingsjoghurt ausverkauft ist, wenn wir morgens früh aufstehen müssen um zur Arbeit zu gehen, wenn das Internet zu langsam ist, oder wenn das tolle T-Shirt im Schaufenster 20,-€ kostet? Warum schauen wir neidisch auf des Nachbarn neues Auto, Fernseher oder Mobiltelefon, wenn unser Equipment gut funktioniert?
Auch ich vermisse einiges von dem Luxus, des bequemen Lebens und der Sicherheit in Detuschland, nachdem wir nun 10 Monate mit dem auskommen was auf ein Fahrrad paßt. Ich bin in dieser Welt des Luxus aufgewachsen und sehr daran gewöhnt.
Aber ich will versuchen mich nicht mehr zu beklagen, denn eigentlich habe ich kein Recht dazu. Mit all den Möglichkeiten in Deutschland kann ich mein Leben so einrichten, wie es mir gefällt. Ich muß mich nur entscheiden was ich will!
Ich habe die Wahl, und das scheint mir der größte Luxus zu sein!
7. März 2012
El Misti
Als ich vor ein paar Tage den ersten wolkenfreien Blick auf den Hausberg von Arequipa erhasche bin ich sprachlos. Der Vulkan wächst wie ein Gigant aus der Ebene oberhalb
Arequipas. El Misti, 5822 Meter hoch, ist ein Bilderbuch Vulkan mit einem perfekten Kegel und jetzt am Ende der Regenzeit mit einer schneebedeckten Spitze. Bei dem Anblick verstehe ich das die Indigenen Völker diese Berge mit Göttern in Verbindung bringen.
Heute fahren wir mit einem 4 by 4 auf die Nordseite des Berges. Ich will versuchen einen Blick in den Krater zu werfen. Jochen begleitet mich. Er kennt den Weg, ist Arequipeñer mit ungewöhnlichem Namen und als Bergführer und arbeitet für Pablo Tours steigt er in der Hauptsaison bis zu drei mal pro Woche auf den El Misti. Nach drei Stunden Schüttelei auf einer grauenvollen Straße oberhalb des Rio Chili schnallen wir auf 4300 m unsere Rucksäcke auf und machen uns auf dem Weg ins Basecamp. Wir laufen schon in Regenkleidung los, denn es fallen ein paar Tropfen und der Wind ist ziemlich kühl. Ich habe vorbeugend eine Soroche Pille genommen. Es ist das moderne Medikament gegen die Höhenkrankheit, besteht aus Aspirin und Koffein und kann somit die Müdigkeit und die Kopfschmerzen unterdrücken.
Mir geht es gut, als wir die ersten Schritte in der losen Vulkanasche machen, auch wenn ich reichlich schnaufe. El Misti hat sich versteckt. Um uns herum verändern die flüchtigen Wolken ständig die Aussicht. Mein Blick folgt den Fußspuren von Jochen, die vor mir den Weg zwischen pieksigen kniehohen Grasbüscheln bilden. Jochen dreht sich immer mal wieder um, fragt wie es mir geht und setzt dann langsam und wunderbar gleichmäßig seinen Weg fort. Ohne Uhr und GPS habe ich keine Kontrolle wo wir sind und wie weit es noch ist. Irgendwann an einem Fels machen wir Rast. Kaum sitze ich im Windschatten an den Stein gelehnt beruhigt sich mein Atem. Das tut gut! Während wir essen und trinken erzählt Jochen vom El Misti und der Gefahr für Arequipa. Das Stadtzentrum ist nur 17 km entfernt und die Menschen hoffen, das die Messtechnik rund um den Berg sie rechtzeitig vor einem Ausbruch des Vulkans warnt, damit sie flüchten können. In der Welt um uns herum wachsen nur wenige Pflanzen, trotzdem leben auf dieser Höhe noch Tiere. Insekten, Mäuse, Hasen und auch der Puma schafft es hier oben zu überleben.
Wir gehen weiter und erreichen irgendwann die aus losen Steinen aufgeschichteten Grundmauern einer ehemaligen Hütte auf 4800 m (Höhe des Mt Blanc, höchster Berg der Alpen). Ein Dach gibt es nicht mehr. Wir nutzen die Mauern als Schutz vor dem Wind, der uns inzwischen eisig um die Ohren pfeift. Das Zelt ist schnell aufgebaut und eingerichtet. Während Jochen kocht, erfahre ich, daß er mit sieben Jahren begann seinen Vater zu begleiten, der als Träger und Bergführer arbeitete. Jochen ist buchstäblich in die Fußtapfen seines Vaters getreten. Er kennt die Berge Perus und liebt seine Arbeit. Ein Mal hat er versucht eine “normale” Arbeit in der Stadt anzunehmen, aber das war ihm zu langweilig. Anhand von Liedertexten und mit Hilfe der Touristen hat er sich Englisch beigebracht. Wenn er die Gelegenheit hat geht er mit seinem Sohn in die Berge, damit er lernt mit der Natur leben.
Wir führen unser Gespräch auf Spenglish, lassen die Grammatik beiseite und verstehen uns ganz hervorragend.
Nach Nudeln mit Hühnerbein und einer Tasse Tee krieche ich durchgefroren in meinen Schlafsack. Es ist 17:30, ich habe Kopfschmerzen, schlafe aber schnell ein. Um 21:45 wache ich auf. Mir ist speiübel und mein Kopf droht zu zerplatzen. Ich krabbel aus dem Zelt. Tiefes Atmen und immer wieder Schlucken verhindert, das ich mich übergebe. Wieder im Zelt nehme ich Aspirin und folge Jochens Anweisung mehr zu Atmen, damit mein Kopf besser mit Sauerstoff versorgt wird. Es hilft, ich schlafe wieder ein. Allerdings wache ich immer wieder mit Atemnot auf, japse ein paar mal und dussele wieder ein.
Um 00:30 klingelt der Wecker. Mir ist immer noch übel, aber die Kopfschmerzen sind weg. Jochen nennt das Fortschritt. Wir trinken noch Tee, und krabbeln dann aus dem Zelt. Draußen mache ich meine Strinlampe aus und blicke gen Himmel. Millionen von Sternen, die Milchstraße wird deutlicher, je mehr sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Ich japse nach Luft und wir gehen los. Langsam, gaaanz langsam. Ich schaue auf den Weg vor mir und die Schritte von Jochen. Ich atme wie beim 2000 m Lauf. Mein Magen hängt auf halb acht. Die Zeit vergeht, Schritt um Schritt. Ich habe keine Ahnung wo wir sind oder wie spät es ist. Es ist stockfinster, der Weg im Lichtkegel der Strinlampe sieht immer gleich aus. Ich bin müde und die Kälte kriecht in meine Füße und Hände. Ich stelle mir vor, auf dem Gipfel anzukommen, oder Alex von dieser Tour zu erzählen, darüber vergesse ich das aktive Atmen und ein Gefühl wie nach 25 Meter Streckentauchen hohlt mich zurück in die Wirklichkeit. Mir ist hundeelend. Jochen gibt alles um mich zu motivieren. Wir gehen noch langsamer, machen Pause essen Schokolade und trinken ein paar Schluck eiskaltes Wasser aus unseren Flaschen. “Denke nicht an den Gipfel, geniesse jeden Schritt!” -????-
Unzählige Schritte weiter kommt die Frage nach dem “Warum” auf. “Weil ich es wollte” ist die Antwort. Aber um 04:00 auf 5400m gebe ich auf. Ich bin müde, diese Atemnot macht mich fertig, immer wenn ich zu wenig atme, wird mir schlecht. Das ist es nicht wert. Ich will runter, ich will Luft! Jochen weist mich darauf hin, dass es bald hell wird, aber das ist mir egal. Wir steigen ab. Nach einer halben Stunde wird es tatsächlich hell und die Welt nimmt Formen an, erst in Blautönen, dann nach und nach kommen zaghaft Rot und Grün hinzu. Ein wunderbares Schauspiel. Weiße Bergspitzen, dunkelblauer Himmel, im Tal die Wolken. So groß, so weit diese Welt. Mir wird klar: Ich habe gar nicht verloren. Ich bin hier!
Auf dem weiteren Weg nach unten kommt die Sonne über den Horizont und ich geniesse die Wärme im Gesicht. Bergab ist die Atemnot weg und mit jedem Schritt freue ich mich, dass ich es versucht habe. Um 09:30 sitzen wir wieder im Auto und lassen uns durchschütteln. Vor unserem kleinen Apartment verabschiede ich mich von Jochen, einem Bergführer, dem ich für ein paar Stunden blind vertraut habe.
“Du solltest wieder kommen. Du schaffst es beim nächsten Mal”
7. März 2012
Begegnungen
Am Ende eines armen Dorfes in der Peruanischen Wüste, muss ich meinen Reifen flicken. Ein Junge, vielleicht acht Jahre, kommt dazu und schaut stumm zu. Ich stelle mich vor, sage das ich nur schlecht Spanisch spreche. Er hilft mir beim Flicken, sagt mir das spanische Wort für Reifen. Als ich fertig bin, gebe ich ihm neben Gummibärchen unsere Karte mit unserem Bild und erkläre ihm das es mein Traum ist durch sein Land zu fahren, weil es einzigartig ist in der Welt. Er lächelt.
Im Restaurant im Hafen spricht uns ein großer glatzköpfiger Mann vom Nachbartisch an. Im Arm seine propere gut gekleidete Frau, fragt er ob wir die zwei mit dem Fahrrad seien, die er heute Mittag auf der Panamerikana gesehen hat. Wir bejahen. Er ist begeistert, und erklärt seiner Frau wie stark wir sein müssen um so etwas zu machen. Er schüttelt uns zum Abschied die Hand und wünscht uns alles Gute.
Wir fragen die alte Marktfrau mit dunkler sonnengegerbter Haut, welche Kartoffeln gut sind um Suppe zu kochen. Sie steht langsam auf und muss ihren altersmüden Rücken strecken, um an die Kartoffeln in den oberen Kisten ihres Standes zu kommen. Eine Kartoffel schneidet sie eine an und zeigt uns wie wir sie vordem Kochen Würfeln sollen. Sie gibt uns die Menge für zwei Personen und packt frische Kräuter dazu. Sie seien gesund! Ihr Gesicht ist so alt aber so liebevoll und gutmütig.
Ich liege auf dem Bauch im Sand. “Uno” Ich rudere mit den Armen. “Dos” Ich stütze meine Hände auf. “Tres” Ich stelle mich auf das imaginären Surfbrett. Später im Wasser, als wir auf die perfekte Welle warten, spreche ich Spanisch und José mein Surflehrer Deutsch. Seine Freundin lebt und studiert in Deutschland, darum will er die Sprache lernen. “Eins” Mit den Armen rudern. “Zwei” Aufstützen. “Drei” José und die Welle schieben von hinten…. Für einige Sekunden stehe ich auf den Brett und lasse mich von den Wellen Richtung Strand tragen. Que bien!
An der Einfahrt zur bewässerten Agrarfarm in der Wüste steht ein Schatten spendender Baum. Unser Pausenplatz. Der Sicherheitsbeamte (Seguridad) der das Tor zur Farm bewacht begrüßt uns freundlich. Alle Reisenden, egal ob mit Rad, zu Fuß, oder mit dem Auto machen hier Pause. Es ist der einzige Schattenplatz weit und breit. Er erzählt von anderen Radlern, die hier vorbeigekommen sind. Zwei Arbeiterinnen kommen heraus. Sie haben Feierabend und fragen nach Wasser. Der Wachmann verneint, das Wasser aus der Bewässerungsanlage, das den Baum versorgt enthält Dünger. Wir haben genug Wasser und Alex gibt gerne etwa ab.
Arequipa, in einem alten, im Colonialstil erbaut und eingerichteten Hotel, sitzen wir mit einer Bremer Familie bei Kaffee und Kuchen. Wir tauschen Reiseerlebnisse aus, plaudern über Bremen. Orte, Straßennamen aus der gemeinsamen Heimat werden genannt. Die zauberhaft kleine Tochter spielt auf einem iPad. Sie ist blond! Ein selten gewordenes Bild in dieser Welt der Menschen mit schwarzem glänzenden Haar.
Für uns ist es Nachmittag lang Heimat. In Bremen wollen wir uns Wiedersehen.
4. November 2011
Hola Quito!
21:37. Wir kommen früher als geplant in Quito an. Bei der Passkontrolle verläuft alles reibungslos. Unser Gepäck ist da, die Radkartons sehen besser aus als in Vancouver, dank Duct Tape. Beim Rausgehen werden wir freundlich von einer Indiofamilie angesprochen. In unserem mageren Spanisch erklären wir, dass wir hier radeln wollen. Ungläubiges Staunen. Draußen vor dem Flughafen werden wir sofort von einem Taxifahrer angesprochen, der einen Kleinbus fährt. Quanto questa? Wieviel kostet das? 15 US$, alles klar, das nehmen wir. Eine kleine Schar Menschen hilft uns beim beladen und auch die freuen sich über ein Trinkgeld. Der Taxifahrer fragt uns in einer Mischung aus Spanisch und Englisch was wir hier denn so vorhaben und wir erzählen unsere Geschichte. Er freut sich und sagt uns, dass Equador ein schönes Land mit netten Menschen sei. Prima!
Die Fahrt zu unser Gastfamilie erinnert ein wenig an Italien in den 70igern: Rote Ampeln sind relativ und der Fahrer ist multitaskingfähig. Er ruft bei unser Familie an, um nach dem Weg zu fragen und bleibt dabei ausnahmsweise mal an einer grünen Ampel stehen anstatt die roten zu überfahren. Mit Gehupe lässt sich das aber regeln.
Bei unser Familie angekommen werden wir herzlich von der Mama in Empfang genommen und sogar geknuddelt. Von Mom zu La Mamma, toll. Die Fahrräder müssen wir noch in den dritten Stock schleppen und dann sind wir tatsächlich da!
Während ich dass hier tippe haben auch die Hunde mitbekommen, dass die Radler da sind und es hört sich an, als ob ein ganzes Rudel bellend unter dem Fenster vorbei läuft. Ich hoffe die haben was anderes zu tun, wenn wir losfahren.
Willkommen in Quito!
29. August 2011
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