3. Mai 2012

Von: Alexandra

Isch hab Rücken

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Gestern waren wir in der Schule für arbeitende Kinder, um über unsere Reise zu reden. Eins der Mädchen wollte auf Markus Rad probesitzen, ich habe versucht ihr zu helfen und hab sie ein wenig hochgehoben, KNACK! Und nun hab ich Rücken.

Markus hatte auch schon Rücken in Las Cruces (New Mexiko) und war beim Chiropraktiker und so habe ich im Internet ohne viel Hoffnung nach einem Chiropraktiker gesucht und einen gefunden! Um ehrlich zu sein ist er ausgewanderter Kanadier und lebt seit 12 Jahren in Cusco. Das schafft schon mal Vertrauen.

Im Internet steht, dass er um 10 Uhr aufmacht. Wir also hin und um ca. 10:15 da. Der Eingang unten ist durch eine vergitterte Tür geschlossen, wir klingeln, nichts. Außer uns warten aber schon andere Menschen sitzend auf dem Bürgersteig. Das Wartezimmer habe ich mir anders vorgestellt. Um ca. 10:45 fegen die Sprechstundenhilfen um die Ecke und nehmen ihre Patienten mit nach oben. Im Wartezimmer wird als erstes das Radio angeschmissen und dann der Fernseher in dem “Sopa de lettras” Buchstabensuppe, läuft. Gaaanz intelligente Sendung. Weil sich die Helferin nicht sicher ist was besser ist, hat sie den Ton an beiden Geräten gleich laut gestellt. Ich les lieber in einer Zeitschrift. Meinen Namen will die Helferin erst mal nicht haben und auch sonst muss ich nichts ausfüllen, komisch, in einem Land in dem man schon seine Passnummer angeben muss wenn man mal zum Klo muss. Ich werde unsicher, gehe noch mal hin und mache ihr klar, dass ich auch ein wenig Spanisch kann und tatsächlich, ich bekomme einen Anamnesebogen mit spanischen Fragen, die ich auf Englisch beantworten darf.

Endlich komme ich dran. Der Doc untersucht meinen Rücken, wie ich es von meinem Haus- und Hofarzt gewohnt bin und macht dann noch so eine Untersuchung mit Infrarot, erklärt mir ausführlich, was ich habe und welche Folgen das auf alle möglichen Organe haben kann um mich dann einzurenken, so wie ich es auch immer gewohnt bin. Es kommt noch eine entzündungshemmende Salbe drauf und fertig. Ich soll noch mal um 16:00 wieder kommen, dann hat er Zeit gehabt meinen Fall genauer zu untersuchen und wird mir mitteilen, wie es weiter geht.

Um 15:50 sind wir wieder da, nur in der Praxis ist noch keiner. Dann das gleiche Spiel, so um 16:10 kommen die Sprechstundenhilfen etwas später der Doc. Die Patienten scheinen die gleichen wie vom Vormittag zu sein. Diesmal läuft nur der Fernseher, Telenovelas. Ich komme etwas schneller dran, die Diagnose bleibt dieselbe, noch mal eingerenkt, morgen um 11:00 hab ich den nächsten Termin. Er sagt, eigentlich müsste ich 10 mal kommen aber da wir Mitte der Woche wieder fahren wollen ginge das ja nicht. Ein Glück, Zuhause reicht immer ein bis zwei mal.

Mal sehen was morgens um 11:00 so im Fernsehen beim Arzt läuft.

 

2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 2

Teil 2 Wegelagerer

Eigentlich sollten wir heute morgen um sieben Uhr Frühstück bekommen… Uneigentlich weiß die Frühschicht aber nichts davon. So essen wir erst unser Müsli und bekommen nach und nach heißes Wasser, Tee, Eier, Brötchen und Marmelade. Alles gut so, man kann ja sowieso nicht alles auf einmal essen. Um acht rollen wir aus dem Dorf und kurz danach ziehen wir unsere Socken aus, da vor uns die Strasse überschwemmt ist. Freundliche Strassenarbeiter in Gummistiefeln weisen uns die beste Fahrspur und der kleine Hübi in mir hat Spass bei dem nassen Abenteuer.

Ein gut fahrbarer Schotter hat den Asphalt abgelöst. Wir fahren bei wunderbarem Wetter tendenziell bergauf und sehen die ersten Terrassenfelder. Alle halbe Stunde kommt ein LKW auf dem Weg zur Miene vorbei, ansonsten sehen wir niemanden und es ist herrlich ruhig. Nach unserer üblichen Mittagspause mit den etwas schlappen Brötchen und Käse biegen wir ab Richtung Huanca und sind (juchuu!) wieder auf Asphalt. Die Straße schlängelt sich entlang eines Tals ganz gemächlich bergauf. Immer wieder fahren wir Slalom durch dicke Felsbrocken und Geröll. Der Regen hat seine Spuren hinterlassen! Wir lernen schon bald, was der Regen noch alles mit den Strassen anstellt. An zwei Stellen ist die Straße so unterspült, das der Asphalt weggebrochen ist. An der zweiten Stellen müssen wir die Räder durch das Flußbett parallel zur nicht mehr existenten Straße schieben. Für uns ist das aber immer noch einfacher als für den Busfahrer, der den gleichen Weg nahm und nun von Hand mit den Steinen eine Spur für den Bus legt. Er ist seit gestern hier und trinkt gierig und dankbar das Wasser was ich ihm anbiete.
Am Nachmittag ziehen Wolken auf und wir suchen nach einem geeigneten Zeltplatz. Das ist gar nicht so einfach, da es so viele ebene Flächen nicht gibt und wenn, zeigen die Spuren des letzten Regens, das hier das Wasser entlang läuft… Am Ende bauen wir unser Heim auf einem Spurweg auf. Wir haben seit Stunden kein Auto mehr gesehen und hoffen mal, das hier auf dem Nebenweg erst recht keines mehr kommt.

Es ist angenehm früh, wir haben unsere Strecke gut geschafft und geniessen das Lagerleben auf 3200 m. Etwas unterhalb des Weges ist ein Fluss in dem wir uns waschen, ich mache Fotos von den Kakteen, die zu Hause als Zierpflanzen auf der Fensterbank stehen und mit der einbrechenden Dämmerung strömt ein leckerer Geruch aus unserer Campingküche. Es wird schnell kühl und wenn alles fertig ist freue ich mich immer wieder über meinen kuschelig warmen Schlafsack!

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2. April 2012

Von: Markus

Leidensweg und Freudentränen Teil 1

Teil 1 Gemächlicher Abschied aus der Zivilisation

Unsere kleine Wohnung verlassen wir mit gemischten Gefühlen. Wir nehmen Abschied von der Geborgenheit und brechen auf ins Unbekannte. Es ist auch Zeit zu gehen, sonst schlagen wir aus Bequemlichkeit noch Wurzeln!

Da wir drei Wochen lang kaum auf dem Rad gesessen haben ist unsere erste Etappe auf dem Weg zum zweittiefsten Cañon der Welt eine kurze. Das Ziel ist Yura, ein kleines Dorf mit heißen Quellen, so eine Art peruanischer Kurort. Schön, dass heute Sonntag ist, so ist der Verkehr in der Stadt deutlich ruhiger. Trotzdem nerven die Abgaswolken auf dem Weg hinaus. Vorbei am kleinen Flughafen haben wir bei bestem Wetter noch einmal Sicht auf die drei Vulkane Chachani, El Misti und Picchu Picchu. Es ist ein imposantes Abschiedpanorama, insbesondere jetzt, wo ich meine Bekanntschaft mit dem El Misti gemacht habe.

Der Weg aus Arequipa zieht sich. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt und diese ufert dadurch aus. Die Vororte sind ärmlich, der Name Ciudad de los Dios ist der blanke Hohn.

Irgendwann ist abrupt Schluss mit Häusern und Autos. Wir hören wieder das Rollen unserer Räder auf dem Asphalt und die Sonne scheint uns wohlig warm auf dem Kopf. In meinem Bauch macht sich nun die Abenteurlust breit. Wir sind “back on the road”!
Trotz einiger Blumen und dem zarten Grün der Grasbüschel ist es staubig. Wir sind immer noch in einer Wüste, die sich nach dem vielen Regen in den letzten Wochen versucht zu tarnen.

An einem Zementwerk verlassen wir die Hauptstraße und biegen ab nach Yura. Der nächste Ort sieht so gar nicht nach heißen Quellen aus und die paar Läden, die es gibt, sind geschlossen. Mir kommen Zweifel, ob wir heute noch faul im Wasser liegen können. Hinter dem Ort fragen wir ein Frau, die auch in unsere Richtung läuft, nach den Bädern und die Zweifel verfliegen. Einen knappen Kilometer weiter tragen wir unsere Sachen ins Hotel Yura, welches wohl besser Schimmelzimmer heißen sollte. Von außen blauweiß gestrichen hat es romantischen colonialen Charme. Aber wie so oft gibt es auch hier ein Problem mit der Feuchtigkeit in den Wänden, warum auch immer.

Wir nehmen unsere Badesachen und machen uns auf in eines der kleinen Planschbecken mit wohltemperierten Wasser, dass durch die natürlichen Sulfate etwas müffelt. Aber die zahlreichen Perunaer scheinen sich wohl zu fühlen. Unsere Haut ist nach dem Bad zart wie ein Kinderpopo und wir lassen uns das Essen im Hotel schmecken.

Nach einem Verdauungsspaziergang beginnt es sintflutartig zu regnen…. Gut das wir heute noch mal ein festes Dach über dem Kopf haben. Offensichtlich war unsere Entscheidung für einen faulen ersten Tag die richtige.

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