Abenteuer Ausrüstung

Es war schon ein paar Tage her, als ich morgens auf einer schlappen Isomatte aufwachte. Da ich das Loch nicht auf Anhieb fand beschloss ich, die Reparatur am nächsten Abend im Hostal durchzuführen. Am Morgen darauf machte der Benzinkocher noch viel Russ, aber das Wasser für den Tee nicht mehr heiß. Nach dem kalten Frühstück ohne warmen Tee und ein paar Kilometern auf dem Rad rief schließlich Alex von hinten, dass ihre Bremse nicht richtig funktioniere. Schnell stellten wir fest, dass die Bremsleitung einen Riss hatte. Zusammen mit dem noch zu flickenden Ersatzschlauch habe ich reichlich Arbeit vor mir!

Wir kommen gesund und mit der kompletten Ausrüstung, fahrend in Chilecito an und finden ein Hostal, wo ich prima im Hinterhof basteln kann. Nach einigen Verzweiflungsanfällen bezüglich des Kochers, dem Lesen von diversen Internetforen und beruhigen Worten und guten Ideen meiner Frau ist am nächsten Abend alles wieder heile.

Diese Reparaturorgie zeigt wieder ganz deutlich, dass es wichtig ist, sein Equipment zu kennen. Je länger die Reise und je extremer die Region, desto wichtiger ist es mit der Ausrüstung und ihren Grenzen klar zu kommen. So haben wir den Kocher schon vorher auf einer Tour in den Alpen mitgehabt, aber dort mit Whitegas gekocht. Jetzt mit Benzin von der Tankstelle ist der Reinigungsaufwand eine ganz andere Nummer. Ich habe gelernt, dass zu viel Krafteinsatz beim Basteln nicht gut ist, oder anders gesagt: Nach fest kommt ab! Deswegen habe ich mich nicht getraut, den Draht im Benzinkocher mit der Zange herauszuziehen. Das youtube Video hat mir Mut gemacht und nun brennt der Kocher wieder!

Unsere Räder sind mit sehr guten Hydraulikbremsen ausgestattet, die uns und unser Gepäck auch bei langer, steiler Abfahrt sicher zum stehen bringen. Der GAU ist eine gerissene Bremsleitung. Auf den letzten 35.000 km ist das weder an meinem noch an Alex Rad passiert. Das kommt also eigentlich nicht vor... Da es für eine solche Reparatur besondere Ersatzteile braucht, die es in Südamerika selten oder gar nicht gibt, habe ich aus Deutschland am letzten Tag kurz vor Ladenschluss die nötigen Ersatzteile gekauft und konnte so gut reparieren!

Als wir unsere Räder neu gekauft hatten, habe ich jedes Werkzeug, was ich für die Reparatur an den Rädern brauchte, in eine Box gepackt und anschließend immer aus dieser Box heraus versucht die Reparaturen durchzuführen. Fehlte Werkzeug habe ich es ergänzt. Auf diese Weise habe ich auch alles andere Reparaturmaterial zusammengetragen. Nun wäre es gut vor jeder Reise diese Box (ist eigentlich eine Kulturtasche, die ich als Werkzeugtasche nutze) zu kontrollieren. Ich habe es in der Hektik der letzten Tage versäumt und so fand ich den Kleber zum flicken der Isomatte inzwischen eingetrocknet. (Der Klebstoff zum Schlauch flicken hat es auch getan).

Im Grunde sind die kleinen Reparaturen nicht so kompliziert. Wichtig scheint mir, lange vor der Reise mit Interesse das Material zu pflegen und es auszuprobieren. Wenn es dabei schon schwierig wird, endet es unterwegs im Regen schnell in der Katastrophe oder die wichtigste Schraube verschwindet im Wüstensand. (Ist mir passiert, habe aber immer eine Tüte mit diversen Ersatzschrauben dabei)

Wer mit seiner Ausrüstung vertraut ist und entsprechend Ersatzteile und Werkzeug einpackt braucht nicht unbedingt das teuerste Equipment. Klar, je hochwertiger das Material, desto mehr Komfort, aber wenn ich nicht damit umgehen kann, nutzt es wenig. Wer sich so gar nicht sicher fühlt beim Basteln, der sucht sich besser einen Reisepartner oder Partnerin, der / die es kann.

Am Ende ist eine Radreise durch Südamerika auch ein Abenteuer! Und das Lösen der kleinen und großen Probleme unterwegs gehört dazu. Ja, sie machen sogar ein wenig den Reiz aus. Die kreativen Reparaturen sind oft die tollen Geschichten an die wir uns gerne erinnern.

1 Antwort

  1. Da muss man ja wirklich einiges an handwerklichen Geschick mitbringen. Eure Erfahrung ist da sicher sehr hilfreich. Ich wünsche euch, dass alles weiter so gut klappt für die letzten beiden Monate . Auf alle Fälle freue ich mich jetzt schon auf eure Rückkehr. Bussi

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