Abschied für immer

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Zum zweiten Mal auf unsere Reise erreicht uns heute die Nachricht über den Tod eines Menschen, dem wir begegnet sind. Diesmal ist die Frau eines reisenden Paares in den Bergen Argentiniens tödlich verunglückt. Es waren nicht wirklich Freunde von uns, wir haben sie nur zwei Mal auf unserer Reise getroffen und doch bin ich traurig. Ich werde den Gedanken an den Tod nicht los.

Manche wissen, dass sie sterben, weil sie krank sind. Sie haben die Chance, mit den Lieben zu sprechen und offene Fragen zu klären. Sie haben die Möglichkeit zu sagen, was vielleicht über viele Jahre ungesagt blieb und zu verzeihen, was lange zwischen ihnen stand. Vielleicht kann man seine Reise auf Erden dann ruhig und mit einem Lächeln beenden, weil die Erinnerung an das Leben etwas Gutes ist. Vielleicht kann, wer zurückbleibt den sterbenden Menschen gehen lassen, weil alles gesagt ist, weil sie sich mit den Erinnerungen an die guten Tage trennen. Vielleicht entsteht durch die Gespräche am Sterbebett Zuversicht und ein Einverständnis in Zukunft alleine neue Wege zu gehen. Die Traurigkeit wird das wohl nicht beenden, aber vielleicht die Panik etwas versäumt zu haben?

Was ist jedoch, wenn der geliebte Mensch durch einen Unfall so plötzlich aus dem Leben gerissen wird? Es geschieht, täglich und immer wieder! Nur wir, die es bisher nicht getroffen hat, blenden diese Möglichkeit aus, oder? Es gibt Lebensversicherungen, um sich finanziell abzusichern, oder um ein Haus zu finanzieren, aber der Gedanke an den Tod oder ans Sterben?
Ich bin nicht viel besser, aber diese Reise hat meine Sicht auf das Leben verändert. Arm oder reich hat einen anderen Wert bekommen. Luxus definiert sich nicht mehr an der Menge der Dinge, die ich um mich habe, und ich beginne zu verinnerlichen, dass es meine Gedanken und meine Sichtweise ist, die den Tag gut oder weniger gut erscheinen läßt.
In der ersten Todesnachricht, die wir erhielten, schrieb mein Freund: "Ich schreibe euch diese Zeilen, damit euch bewußt wird, dass das Leben endlich ist. Genießt jeden Tag eurer Reise." So pathetisch es klingt, diese Nachricht und auch die zweite ist wie eine Lehre und ich muss mich dafür bedanken.

Ein ehemaliger Kollege von mir hat sich eines Tages von mir verabschiedet und gefragt, ob zwischen uns noch Fragen offen sind, oder ob wir uns in Freundschaft trennen. Er hat sich als Moslem auf den Pilgerweg nach Mekka gemacht und wollte dies mit reinem Herzen tun. Ein plötzlicher Unfalltod nimmt die Chance auf Versöhnung, auf die eine wichtige Frage, oder ein reines Herz.

Wieso ist der Tod in unserer Gesellschaft so düster, angsteinflössend und so traurig? Wo doch jedem klar sein muss, dass mit jeder Geburt und in ein paar Jahren auch ein neuer Tod ins Haus steht.
Ich fürchte mich vor einer langen Krankheit mit Schmerzen, und ich habe Sorge jemanden mit offenen Fragen zurückzulassen. Aber Angst vor dem Tod selbst...ich weiß nicht. Es ist das Ende. Es bringt mich zurück zur Natur. Ich glaube, mit meinen bescheidenen 43 Jahren, dass der Tod nichts Schlimmes ist. Er ist normal und Teil unserer Natur.
Der Gedanke an den Tod, das Bewusstsein, dass mein Leben endlich ist, ja jeden Augenblick enden kann, verändert mein Leben. Was bleibt denn nach meinem Leben noch was wichtig ist? Ein Haus, ein Fahrrad? Mitnehmen kann ich nichts in den Tod. Ich lasse alles zurück in der Welt der Lebenden.

Wenn ich an die beiden Verstorbenen denke, erinnere ich mich nicht an deren Reichtum oder Armut, an deren Besitz. Ich erinnere mich an Gespräche und daran, dass sie mir geholfen haben. Die eine Familie hat mich in ihrem Haus aufgenommen die andere hat uns im Nirgendwo der hohen Anden mit Wasser versorgt.

Ich danke Beiden für die Begegnungen und ich wünsche den Angehörigen Zuversicht und Mut für die kommenden Zeit. Ich denke an Euch.

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1 Antwort

  1. Thomas
    Hallo Hübi, solche Ereignisse kommen immer unvorbereitet und treffen einen daher immer sehr hart. Aber so ist leider der Kreislauf des Lebens und dem müßen auch wir uns unterwerfen, auch wenn es sehr schmezhaft ist. Vor allem für Ihren Ehemann der mit Ihr reiste und ihre Familie und Freunde die zuhause zurück blieb wie auch wir nur Eure Reise aus der Ferne miterleben dürfen. Sieh es mal positiv, diese Erlebnisse und Abenteuer die diese Frau auf Ihrer Reise erleben durfte, erleben doch die wenigsten Menschen und das macht sie doch reich, oder? Und dadurch das auch ihr und jetzt auch wir an diese Frau denken, bleibt sie doch ein Stück weit bei uns. Denn Tot bist du erst wenn du ganz vergessen wirst. Denk mal drüber nach. Thomas

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