Busfahrt mit Fahrrädern

In den allermeisten Fällen kann man in Südamerika sein Fahrrad im Gepäckraum des Reisebusses transportieren. Für die Räder ist das nicht unbedingt ideal, aber bisher sind wir ohne großen Schaden davon gekommen. Der Transport kostet extra, was ich absolut ok finde. Leider ist der Preis bis kurz vor der Abfahrt unklar.

Wir haben uns entschieden die trockene langweilige Gegend bis Bariloche mit dem Bus zu überbrücken und dann durch den Norden Patagoniens Richtung Valparaiso zu fahren, also das Feld von hinten aufzuräumen. Dadurch haben wir weniger Gegenwind, einen leichten Pass über die Anden und eine ganz neue Landschaft auf unserer Reise. Also ab in den Frühling.

Wir kaufen die Bustickets an dem riesigen Busbahnhof in Mendoza und erleben die erste Überraschung. Wir müssen die Räder präparieren. Also Pedalen ab, Lenker quer und das Rad so verpacken, dass die anderen Gepäckstücke nicht beschmutzt werden. Das ist wieder eine dieser schwammigen Aussagen, die ich so liebe.... Alex hat die gute Idee die Kette inklusive Antrieb einfach mit Frischhaltefolie einzuwickeln. Was der Transport der Räder kosten soll weiß die nette Frau am Schalter nicht, sie schätzt ca. 100 Pesos. Ok, auch wenn wir beim letzten Mal nur 25 Pesos pro Bike bezahlten.

Als wir mit unseren bepackten Rädern am Busbahnhof stehen, lesen wir auf der Anzeige viele Busfahrten unserer Gesellschaft, aber keine die nach Bariloche fährt. Die Nachfrage am Schalter beruhigt uns etwas und wir schalten in den Südamerika-Modus (Locker bleiben, irgendwann wird alles gut. Wir sind satt und gesund!) Die Gruppe, die auf den gleichen Bus wartet, wird größer und wir machen Smalltalk. Ungefähr eine Stunde später als geplant kommt der Bus. Wir sprinten mit den noch bepackten Rädern aber schon Lenker quer und ohne Pedale zum Terminal, der leider ganz spontan festgelegt wurde. Der Fahrer begrüßt mich mit den Worten: "Das ist kein Gepäck" und zeigt abweisend auf die Räder. Mein Adrenalinspiegel steigt, aber ich erkläre ihm, dass wir vom Schalter die Aussage bekamen, die Räder würden gegen einen geringen Aufpreis transportiert. Das findet er sofort gut. Pro Rad sollen wir 200 Pesos Zahlen, oder die Räder bleiben hier! Das ist das 8-fache des letzten Transportes!!! Alex ist erschrocken über meinen kleinen Wutausbruch und glättet die Wogen. Es geht mir dabei gar nicht um den Preis (12€ pro Rad) sondern über die Willkür mit der hier Preise bestimmt werden und dem Wissen, dass wir ja das Ticket bezahlt haben und nicht die Räder zurücklassen werden. Wir zahlen und steigen ein, ohne die Räder mit Folie einzuwickeln.

Der Bus ist prima, mit richtig guten Schlafplätzen und Essen (Wein inklusive). Wir überstehen die Nacht sehr gut und im Laufe des Vormittags ändert sich die Landschaft, so dass es Spaß macht rauszuschauen. Um 13:30 sollten wir in Bariloche sein. 50 km vorher macht jedoch der Bus schlapp. Fahrer und Mechaniker klopfen, Schrauben und diskutieren im Motorraum, aber es wird nix. Wir steigen in einen anderen Bus um, der aber unsere Räder nicht mitnimmt. Also verabreden wir die Räder am nächsten Morgen in Bariloche am Busbahnhof abzuholen. Mit der jungen Servicefrau, die Wein und Essen serviert hat tauschen wir die Handynummer aus und hoffen auf eine Nachricht, wenn die Räder angekommen sind.

Drei Stunden später als geplant stehen wir mit 12 Taschen am Busbahnhof in Bariloche und fahren zwangsweise mit dem Taxi zum gebuchten Hostal. Das wiederum entschädigt für die Busfahrt durch einen tollen Ausblick auf ein alpenähnliches Panorama aus dem zehnten Stock mit See und schneebedeckten Bergen. Wir treffen uns mit John aus Australien, den wir im Bus kennengelernt haben und verbringen einen netten Abend mit gutem Essen. Im Bett lese ich die unklare Nachricht in mäßigem Englisch von der Busbegleiterin. Ich vermute die Räder sind angekommen!

Am nächsten Morgen unterdrücken wir die Gedanken an demolierte Fahrräder, oder gar keine Fahrräder und erscheinen lächelnd am Schalter im Busbahnhof. Und siehe da, die Räder sind da und heile! Alles ganz normal, Südamerika ezben.

2 Antworten

  1. Es ist schon erstaunlich das ihr euch nach nun in Summe fast über einem Jahren Südamerika darüber noch so ereifern könnt. ;-) Die deutsche Genauigkeitscheint doch irgendwie verankert zu sein...
  2. Ich würde eine Krise kriegen wenn ich meine Fahrräder zurücklassen müsste in einem fremden Land. Aber wie man sieht sollte man positiv denken. Alles gut gegangen. Eure kurzen Statements auf der FamiyApp sind immer so erfrischend dass ich Lust bekomme, doch noch dieses Land zu besuchen. Freue mich schon auf weitere kleine Berichte

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