Der Luxusartikel

20120504-102800.jpg

Es ist 21:00. Hier in Cusco ist es bereits seit drei Stunden dunkel. Ich liege im Zimmer unseres Hostals unter drei Decken. Es ist kalt und es gibt hier keine Heizung in den Häusern und Hostals. Ich habe einen langärmligen Pulli an, denn sonst frieren meine Arme beim Schreiben. Am liebsten würde ich mich heute ein zweites Mal duschen. Aus der Dusche hier kommt richtig viel Wasser und es ist wunderbar heiß. Das ist nicht immer so In Peru und wir wissen es zu schätzen seit dem wir in der Sierra sind, denn hier oben fallen die Temperaturen nachts oft auf den Gefrierpunkt.

Wir haben vier Klassen einer Abendschule besucht und von unserer Reise erzählt. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 8 und 18 Jahre alt. Sie gehen zur Abendschule, weil sie tagsüber arbeiten müssen. Diese Schule ist durch Projektgelder und durch die Schulgebühren finanziert, die die Kinder von ihrem sauer verdienten Geld bezahlen. Es gibt nur vier Klassenstufen, aber durch diese Schule sind die Chancen auf einen Job und ein selbstbestimmtes Leben viel größer. Deshalb kommen die Kinder freiwillig hierher!

Wir haben insgesamt drei Wochen Spanischunterricht hier in Südamerika genommen. Die Sprache hilft uns Kontakt zu den Menschen zu bekommen und somit die Kultur besser zu verstehen. Trotzdem fehlen mir viele spanische Worte um frei über ein Thema sprechen zu können. Immer wieder muss ich nachfragen, weil ich die Menschen nicht verstanden habe. So bleibt ein Gefühl wie in einer Zwangsjacke, weil ich mich nicht richtig mitteilen kann. Oft schweige ich, weil ich für das, was ich sagen will nicht die Vokabeln kenne.

Vor ein paar Tagen hat es mich erwischt. Ich hatte Grippe und habe mit Fieber im Bett gelegen. Zum Glück haben wir viel Zeit auf unserer Reise und können, wenn einer von uns krank ist, so lange Pause machen bis wir wieder fit genug sind, um mit dem Rad über die Berge zu fahren. Die Menschen hier verdienen an den Tagen, an denen sie wegen Krankheit nicht arbeiten, kein Geld. Es gibt nicht viele, die eine Krankenversicherung haben, wie wir in Deutschland. Das ist bitter, denn das Geld ist sowieso knapp, und durch die Krankheit wird es noch weniger. Oft sind dann noch teure Medikamente fällig.

An solchen Tagen, wenn es einem von uns nicht gut geht, vermissen wir unsere Freunde. Jemand dem wir mal unser Herz ausschütten können. Vor allem Jemand der unsere Sprache spricht und den wir gut genug kennen so daß wir uns wirklich verstehen. Ich begreife nun gut, warum sich in Deutschland die Migranten oft in bestimmten Vierteln einer Stadt niederlassen, oder warum sie gerne mit Menschen aus ihrem Heimatlamd zusammen sind. In einer fremden Welt ist es einfach schön Jemanden zu haben, der die gleiche Sprache spricht.

Ich schreibe an einem IPad, einem sehr modernen Gerät und habe Zugang zum Internet. Zugang zur Welt, zur Information und ich kann darüber mit Freunden und Familie kommunizieren. Computer sind hier deutlich teurer als in Deutschland und das Durchschnittseinkommen liegt um ein Vielfaches niedriger als bei uns. Für die meisten ist ein Rechner unerschwinglich. Hier gibt es, ich vermute vom Staat gefördert Internetcafés. Die sind günstiger und bieten die Chance auf die Möglichkeiten des Internets.
Wir lieben gutes Essen! Hier in Peru ist inzwischen eine ganz landestypische Küche mit vielen leckeren Spezialitäten enstanden. Ich glaube wir haben in den guten Restaurant inzwischen alles ein Mal ausprobiert.
Wir haben auch mit den Kindern hier im Hort gegessen. Sie haben Hunger und es ist unglaublich welche Mengen sie verputzen können. Sie fragen nicht was es gibt, sie beschweren sich auch nicht. Auch habe ich keinen Teller gesehen auf dem Reste liegen geblieben sind. "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt." Ein Spruch meiner Mutter, den ich als Kind nahezu gefürchtet habe, denn ich war doch ziemlich lecker und habe vieles nicht gemocht.

Wir können uns leisten zu Reisen. Es ist wohl die eindrücklichste Form des Lernens. Die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, mit anderen Kulturen, Sprache, und der Vergleich mit dem eigenen Leben in der Heimat. Kein Frontalunterricht eines Lehrers über ein Thema was uns aktuell gar nicht betrifft.

Wer sind wir, dass wir uns beklagen, wenn der Lieblingsjoghurt ausverkauft ist, wenn wir morgens früh aufstehen müssen um zur Arbeit zu gehen, wenn das Internet zu langsam ist, oder wenn das tolle T-Shirt im Schaufenster 20,-€ kostet? Warum schauen wir neidisch auf des Nachbarn neues Auto, Fernseher oder Mobiltelefon, wenn unser Equipment gut funktioniert?

Auch ich vermisse einiges von dem Luxus, des bequemen Lebens und der Sicherheit in Detuschland, nachdem wir nun 10 Monate mit dem auskommen was auf ein Fahrrad paßt. Ich bin in dieser Welt des Luxus aufgewachsen und sehr daran gewöhnt.
Aber ich will versuchen mich nicht mehr zu beklagen, denn eigentlich habe ich kein Recht dazu. Mit all den Möglichkeiten in Deutschland kann ich mein Leben so einrichten, wie es mir gefällt. Ich muß mich nur entscheiden was ich will!
Ich habe die Wahl, und das scheint mir der größte Luxus zu sein!

20120504-103153.jpg

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben

*