Der Pazifik ruft

Wir sind nun seit 3577 km unterwegs und noch 101 km vom Pazifik entfernt. Wir wollen die Küste entlang bummeln bis nach Valparaiso, wo wir bereits für Weihnachten eine Unterkunft gebucht haben.

Es ist schon ziemlich warm, als wir heute Morgen im Hotel Bavaria aufwachen. Wir waren,wie so oft in den letzten Wochen, die einzigen Gäste, weil noch keine Saison ist. Die Taschen sind schnell gepackt und nach einem sparsamen chilenischem Frühstück sind wir wieder unterwegs. Nach vier Tagen auf der PanAm, die Ruta 5 in Chile freuen wir uns auf ruhigere Strecken.

Nach einigen Kilometern wird es heiß und wir sind durstig. Wir halten Ausschau nach einem Stand der "Mote con huesillos" verkauft. Ein kühles chilenisches Getränk aus getrockneten Pfirsichen, Weizen, Zimt, Wasser und Zucker oder Honig. Ein perfektes Getränk für Radler, denn es erfrischt und macht satt. Etwas später entdecken wir ein entsprechendes Werbeschild. An der Straße steht ein alter Reisebus, dessen Einrichtung in ein kleines Café verwandelt wurde. Wir nutzen diese kreative Idee gerne und kaufen uns Mote von der freundlichen Bedienung. Der nächste Stop soll Quirihue sein, wo wir Wasser für die Nacht aufnehmen wollen.

Die Hitze ist anstrengend, die Sonne brennt auf der Haut und wir brauchen dringend eine Pause im Schatten. In dem angepeilten Ort halte ich an einer Tankstelle und lasse Wasser aus einem Gartenschlauch über meinen Kopf laufen. Markus findet Plastikstühle die im schattigen Eingang eines Supermarktes stehen, wo wir uns erholen und auch Getränke und Chips (Salziges) kaufen. Von hier sind es 35 km bis Cobquecura an der Küste. Wir wollen versuchen ohne weitere Übernachtung durchzufahren, dann sind es in Summe 101 km.

Auch wenn es jetzt am späten Nachmittag kühler wird, ist der Weg für mich eine Herausforderung. Es geht ständig auf und ab mit einem steilen Finale bei dem ich mein Rad schiebe. Unterwegs sehen wir eine Tarantel, die erste Lebende auf dieser Tour. Jetzt achten wir drauf und entdecken weitere bereits Tote am Straßenrand. Merkwürdig das so viele große Spinnen hier leben und offensichtlich die Straße überqueren wollen.

Um 19:30 kommen wir in Cobquecura an. Müde aber glücklich wieder am Pazifik zu sein verdrücke ich ein paar Tränen. Auf dem Weg in den Ort ruft uns eine Gruppe Reiseradler vom Plaza zu: zwei Chilenen und ein Columbianer auf dem Weg in den Süden. Ihre Ausrüstung ist sehr sparsam. So haben sie sich aus Kanistern Satteltaschen selbstgebastelt. Da sie kein Geld für Hostals ausgeben wollen, warten sie bis die Sonne untergeht und wollen dann am Strand schlafen. Wieder ein Beispiel, das es nicht viel Geld braucht um auf Radreise zu gehen. Wir tauschen Infos über die Strecken aus und verabschieden uns herzlich.

Da wir einen Tag früher hier sind als geplant, stehen vor den geschlossenen Türen des Hostals (wie gesagt, ist noch keine Saison). Während wir nach der chilenischen Vorwahl suchen um die an der Tür angeschlagene Telefonnummer anzurufen hält ein Kleinbus und der Fahrer fragt uns ob wir Marianna suchen. Wir bejahen und er bringt Markus zu einer Seitentür. Ich muss nicht lange warten bis die Zwei zurück sind und von Markus ich erfahre, dass Marianna gleich aufmacht. Der Busfahrer verabschiedet sich und es scheint wir haben einen ersten Freund in diesem verschlafenen Küstenort gefunden. Kurz darauf öffnet eine kleine sympathisch laut lachende Frau die Tür. Klar bekommen wir schon heute ein Zimmer. Wir sollen erst mal ankommen und später die Anmeldung machen und ein Restaurant gibt es wohl auch im Ort, wie sie erzählt.

Nach einer Dusche fühlen wir uns wieder mehr als Mensch und machen uns auf den Weg in ein Restaurant. Die wenigen, die es im Ort gibt sind zwar offen, aber drinnen ist es dunkel und menschenleer. Wir sitzen bereits als einzige Gäste am Tisch, haben unsere Bestellung aufgegeben, als wir erfahren, dass im ganzen Ort der Strom ausgefallen ist. Zum Glück wird mit Gas gekocht und so essen wir im halbdunkel zu zweit in einem leeren Restaurant. Zurück im Hostal ist alles mit Kerzen erleuchtet, wodurch das Haus im Isabelle Allende Stil einen ganz besonders romantischen oder auch mystischen Charme bekommt. Marianne empfängt uns an der Tür und gibt uns lachend Taschenlampen, damit wir unseren Weg ins Bett finden.

2 Antworten

  1. Hallo Petra Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alles Liebe und Beste von Roswitha :-) :-)
  2. Hallo ihr beiden, ich hoffe es geht euch gut. Seit fast einer Woche habt ihr nichts mehr über Whars app gesendet.Ich kann nur hoffen dass es euch gut geht und meine "Sorge um euch" unbegründet ist. Azf alle Fälle wäre ich erleichtert von euch zu hören. Gaaanz liiieben Gruß eure etwas besorgte Mutter.

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