Heulende Wölfe auf Tour

Foto von Sigrun Bösemann17 Kids von 8 bis 12 Jahren und 4 Teamer. Ein Rudel voller neugieriger Jungen und Mädchen mit vier alten Leittieren machen sich mit Fahrrad und Zelt auf eine viertägige Abenteuerreise ins Bremer Umland.

Als ich morgens mein Rad aus der Garage schiebe beginnt es zu nieseln. Bremer Sonne! Ich ziehe die Regenjacke über und mache mich auf zu Horst. Triefend beladen wir meinen Anhänger mit gesunden Lebensmittel von der Flotten Karotte und fahren weiter zum Deichschart am Werdersee. Nach und nach treffen die Kinder mit ihren Eltern ein. Die Regeln des Zusammenlebens und des Fahrens in der Gruppe sind schnell erklärt und es geht los. Schnell noch winken, dann bleiben besorgte Eltern für vier kinderlose Tage zurück.

Auf der Stadtteilfarm in Huchting, der Regen hat aufgehört, treffen wir fünf weitere Kinder und Sigrun und Harald. Insgesamt ziehen wir drei Fahrradanhänger um die hungrige Meute unterwegs satt zu bekommen. Die Zelte, Schlafsack und Isomatte haben die Kids auf ihren eigenen Fahrrädern verstaut. Mitunter sind es abenteuerliche Berge die sich auf den Gepäckträgern der kleinen Räder türmen. So schlingern sie auf den ersten Kilometern bedenklich hin und her. Aber mit jeder Pedalumdrehung wird es besser.

Zum Mittag gibt es einen windigen Blick zurück nach Bremen vom Turm auf dem Hohen Berg, dann weiter Richtung Syke/Clues. Die letzten Kilometer zum Campingplatz ziehen sich hin und die Frage „Wie lange noch“ taucht immer häufiger auf. Natürlich schaffen wir es am Ende und natürlich ist das Rudel nicht wirklich müde. Nach dem Aufbau der Zelte, dass die „Erfahrenen“ Abenteurer locker ohne unsere Hilfe meistern, sind alle wieder am rumtoben. Auf dem Trampolin, auf der Seilbahn oder in der riesigen Sandkiste der Beachvolleyballanlage. Zum Abendbrot gibt es Nudeln mit Bolognese Sauce. Horst, der beste Campingkoch des ADFC Bremen, hat wieder alles gegeben und es schmeckt super.

Während drei Kinder abwaschen und der Rest das Lager unsicher macht beraten wir vier Rudelführer uns. Wie war es heute, was machen wir morgen. Ehrliche Kritik an unserer Arbeit und fleißiges Schulterklopfen für eine gelungenen ersten Tag.

5:30 Uhr: Wieso werden die Racker so früh wach? Und warum bleiben sie nicht einfach leise? Harald denkt gar nicht weiter, nach sondern brüllt aus dem Schlafsack nach Ruhe. Tourenleiter sind auch nur Menschen!

Mittags sind wir zu Gast bei der Steinofenbäckerei in Hollen. Eine urige Bäckerei, die ökologisch und traditionell backt. Leckeres Brot, das uns mittags als Unterlage für Wurst und Käse dient.

Wir brauchen länger als geplant, um die Räder über das Weserwehr zu bringen. Treppen versperren uns den Weg, also laden wir das Gepäck ab um es hinüber zu tragen. In einer langen Kette wandern Taschen, Säcke und Fahrräder die Treppen rauf und auf der anderen Weserseite wieder runter. Horst fährt anschließend vor, um Lebensmittel zu kaufen. Im Tipilager des Wolfscenters Dörverden treffen wir uns wieder. Es ist spät geworden und die hungrigen Mägen knurren um die Wette. Jetzt ist die Gruppe gefragt. Wer seinen Platz im Tipi gefunden hat, sammelt Holz, holt Wasser oder schnibbelt Gemüse. Es gibt eine Suppe, deren einzelne Zutaten große Zweifel auf die Gesichter der Kinder malen. Am Ende schmeckt es aber so gut, dass Horst sein Rezept für das Pesto verteilt.

Später sitzen wir bei fast Vollmond am Lagerfeuer, als ein Wolf zu heulen beginnt. Andere  stimmen mit ein. Das Gehege ist nur 50 Meter von den Tipis entfernt. Es ist laut, schön, nahezu mystisch. Als das Heulen weniger wird, kommt eine Art Antwort aus dem Gehege links von uns. Unglaublich! Die Kinder staunen, einige rennen zum Zaun, setzen sich davor in der Hoffnung die Tiere zu sehen wenn sie heulen, jedoch bleiben sie zunächst stumm. Erst in der Nacht, als wir in den Schlafsäcken liegen und am frühen Morgen wiederholt sich das Schauspiel. Wir sind alle begeistert.

Vom nächsten Morgen an können die Menschen entlang unseres Weges eine Rudel Wölfe auf Rädern erleben, denn immer wieder ertönt ein Heulen hinter mir auf den Rädern...

Nach einer Mittagspause an einer Storchenstation geht es weiter zum Biohof von Böse-Hartje. Auf dem Hof zelten wir wieder. Die Kinder können sich austoben, streicheln und spielen ausgiebig mit allen Tieren auf den Hof. Die Hühner leiden dabei ein wenig, denn sie werden gejagt, was wir dann doch im Sinne der Tiere unterbinden müssen. Zum Abendessen grillen wir Rindsbratwurst. Als heraus kommt, dass die Wurst von den Tieren stammt, die hier auf dem Hof gelebt haben, schmeckt sie vielen nicht mehr ganz so gut...
Wir freuen uns über die Ruhe, als die Kinder nach dem Essen wieder irgendwo auf den Wiesen toben. Gegen 23:00 Uhr, wir haben wohl die Zeit vergessen, schaut Sigrun nach den Kindern. Sie kommt lächelnd zurück. Die Kinder sitzen alle gemeinsam im Kreis mitten auf der Wiese und spielen. Ganz ruhig! Da wollen wir nicht stören...

Am morgen des letzen Tages gibt es neben Wurst, Käse und Milch vom Hof auch bunte Blumen (Kapuzinerkresse) zum Frühstück. Die Butter machen die Kinder sogar selbst. Nachdem die Kühe gefüttert sind, packen wir ein letztes Mal die Zelte zusammen. Es sind keine 30 km zur Stadtteilfarm Huchting und zum Café Sand. Als die glücklichen Eltern ihre Kinder dort in Empfang nehmen haben sie 145 km Abenteuer in den Beinen.

Als das Rudel sich aufgelöst hat, genehmigen wir „Alten“ uns ein Bier. Heute Nacht ist Vollmond! Wir werden mit einem Lächeln einschlafen und vom Heulen der Wölfe träumen.

Foto von Markus Hübner

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