Pilgern im Flachland

Von der Vulkaneifel geht es bergab nach Aachen, dann weiter Richtung Norden vorbei am Braunkohletagebau. Keine schöne Gegend. Als Radler genieße ich allerdings das Flachland. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr fühle ich mich zu Hause. Tagesetappen von 80 km sind kein Problem mehr und ich komme prima voran. Ich pendele zwischen den Niederlanden und Deutschland, und fahre ein Stück entlang der Maas. Als ich die Maas verlasse und auf den Rhein zusteuere, erreiche ich Kevelaer (spricht man Kevelaar) und bin überrascht eine Pilgerstadt vorzufinden. Das es Städte gibt die so auf Pilger ausgerichtet sind wusste ich gar nicht. Hier laufen Pastoren auf der Straße und fragen Passanten ob sie Hilfe brauchen. Es geht dabei gar nicht so sehr um den seeligen Beistand. Vielmehr arbeitet die Kirche Hand in Hand mit den Tourismusorganisationen, wie mir scheint. Schön finde ich die Kapelle der Kerzen. Draußen zwischen den Stützpfeilern des Gemäuers brennen überall Kerzen. Für einen Obulus kann man sich eine Kerze kaufen und sein eigenes Licht entzünden. Das mache ich auch. Eines der wenigen spirituellen Rituale die ich immer mal wieder gerne mache. Ich fühle mich hier durchaus als Pilger, mit meinem vollbeladenen Rad. Die anderen Menschen auf der Straße sind überwiegend im Rentenalter und an ihrer Bewegung kann ich erkennen, dass sie keine lange Reise zu Fuß oder mit dem Rad hinter sich haben. Natürlich gönne ich denen auch ihre Kerze und diese Stadt, aber es ist die lange körperliche Bewegung beim Wandern oder Radfahren, die es einem ermöglicht sich mit sich mit dem Grund seiner Pilgerreise auseinanderzusetzen. Vielleicht sollten mehr Menschen den Mut finden sich zu Bewegen. Das geht auch im Rentenalter. Das geht auch mit einem Zipperlein. Vielleicht wird das Zipperlein beim Pilgern sogar besser. Man spricht dann von Heilung.

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