Rückblick – Ein Sommer auf dem Rad

Ich habe heute, vier Tage nach meiner Rückkehr, eine Kerze im Bremer Dom angezündet. Eines der wenigen spirituellen Rituale, die ich immer mal wieder praktiziere. Gesund von einer Reise zurückzukommen ist wohl das oberste Ziel, das ich auch erreicht habe.
Ich konnte, weil ich die Gunst der Stunde genutzt habe, einen Sommer auf dem Rad verbringen. Am ersten Mai, als ich gestartet bin, war noch Frühling, die Natur und auch die Menschen waren im Aufbruch. Ich habe die Früchte auf den Bäumen wachsen sehen und ich habe die Bauern bei ihrer Ernte beobachtet. Die ersten Nächte im Mai waren kühl, so wie auch die letzten, jetzt Anfang September, wo die ersten Blätter fallen. Diesen Zyklus zu erleben, ist wunderbar. Ich bin nun 10 kg leichter, wieder fit und um einiges reicher an Erfahrungen. Die Reise war lang, und die vielen Fotos und mein Tagebuch helfen mir, mich an die vielen Orte und Erlebnisse zu erinnern. „Eine Radreise rund um Deutschland ist doch langweilig“, habe ich mir vor der Reise von einigen anhören müssen. Nee, ist es nicht! Deutschland ist das Radreiseland für Familien! Ich behaupte man kann irgendwo mit dem Rad starten und wird in kurzer Zeit immer irgendetwas interessantes Neues entdecken, für Kinder, wie auch für Erwachsenen. Die Schwierigkeit besteht darin die interessanten Dinge zu sehen.
In 109 Tage auf dem Rad hat man viel Zeit zum Nachdenken. Alleine wird man unweigerlich mit seinen Schwächen konfrontiert – Auch in Deutschland. So war diese Reise auch eine Art Selbsterfahrung. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, bin ich zufrieden mit dem Typen der mich entspannt anlächelt. Das ist wohl das wichtigste, was ich von dieser Reise mitgebracht habe.
Meine Ausrüstung hat sehr gut funktioniert und durchgehalten. Die Strecke habe ich mit 6500 km länger eingeschätzt, als ich am Ende gefahren bin. Mit 54 km im Durchschnitt pro Tag habe ich auch mein gesetztes Tagesziel von 65 km nicht erreicht. Aber das ist egal. Im Gegenteil, beim nächsten Mal nehme ich mir noch mehr Zeit die Welt anzuschauen und immer wieder Pause zu machen um die Eindrücke sacken zu lassen.
Die nächste Tour fahre ich wieder mit Alexandra, denn neben Trinken, Essen und ein Platz zum Schlafen ist Kommunikation sehr wichtig. Oder wie Christopher McCandless schrieb:
Happieness is only real when shared.
Was gibt es sonst zu sagen? Wie soll ich mit wenigen Worten zusammenfassen was ich in einem Sommer erlebt habe? Wer es genauer wissen will, kommt zu den Vortägen die ich als kulturellen Abend gestallten werde. Der erste ist am 20. November im Schlachthof. Eine Ankündigung folgt noch hier auf der Seite.
Oder, ihr setzt euch selbst aufs Rad und macht eine Reise. Eigentlich ist es nämlich ganz einfach.

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