Ruta de Fruta

Nach zwei Pausentagen, auf einem der in Chile seltenen schönen Campingplätze, in Las Cabras (nach unserer bisherigen Erfahrung) sind wir wieder unterwegs zurück zur Küste. Die Straße auf der wir fahren werden ist die Ruta de Fruta (RN 66), die "Straße der Früchte" die wohl nach den vielen Obstplantagen hier benannt wurde. Klingt doch super, oder?

Wir stehen zeitig auf, denn vor uns liegen ca. 100 km. Um 8:00 stehen wir mit den Rädern am verschlossen Tor des Campingplatzes und kommen nicht raus. Ich klingele bei Carmen, der Besitzerin. Offensichtlich ist sie aus dem Bett gefallen, denn sie öffnet im Little Kitty Pyjama. Sie öffnet das Tor und wir können endlich los.

Schnell sind wir aus Las Cabras raus, mit ein wenig Wehmut, wie so oft, wenn wir einen liebenswerten Ort verlassen, den wir in ein oder zwei Pausentagen kennengelernt haben. Auf der Landstraße werden wir von Beginn an von unzähligen großen Trucks überholt. Als der Seitenstreifen erst schmaler wird und später ganz verschwindet ist der Spaß vorbei und es wird gefährlich. Wir schauen beide mehr in den Rückspiegel als nach vorne und warnen uns immer wieder, wenn es besser ist neben der Straße anzuhalten und so den Trucks auszuweichen. Wir kommen trotzdem gut voran, denn Pausen an einer solchen Straße sind auch nicht so dolle, besonders, weil gleich neben der Straße in ganz Chile ein Zaun verläuft. So fahren wir bis 12:00 Uhr und machen dann hungrig Mittag in einer Bushaltestelle, die uns auch Schutz vor Sonne und Wind beschert. Wir halten uns nicht lange auf, sondern wollen bis zum nächsten Restaurant weiter um dort noch mal eine kühle Getränkepause einzulegen. Schon nach fünf Minuten erfüllt sich unser Wunsch und wir teilen uns einen Liter ungesunde Brause, bevor es in die zweite Runde mit den Trucks geht.

Ca. 25 km vor San Antonio, unserem heutigen Ziel, habe ich eine intensivere Auseinandersetzung mit einem Truck. Es geht bergauf und Markus zeigt auf ein Hindernis auf dem nun wieder vorhandenen Seitenstreifen. Ich muss auf die Straße ausweichen, was möglich scheint, da von hinten kein Fahrzeug kommt. Von vorne kommt ein alter Pickup Truck und dahinter ein dieser großen Trucks. Überholen ist hier verboten (eigentlich, aber wir sind in Südamerika). Genau in dem Moment als ich dem Hindernis ausweiche beginnt der große Truck den kleinen zu überholen. Er ist bergab echt schnell, während ich mich torkelnd bergauf bemühe. Ich merke erst was los ist als der Truck hupt. Ich bremse und Kippe in Richtung Straße. Ich kann das bepackte Rad gerade noch halten halten und wieder mal passiert nichts. Mit wackeligen Knien mache ich eine Trinkpause.

Der Rest des Weges bis San Antonio verläuft ruhiger. Während wir runter in die Stadt rollen sehen wir große Industrieanlagen im Hafen, wodurch sich wohl auch der viele Verkehr erklärt. Es ist definitiv keine touristenfreundliche Stadt und so beratschlagen wir erst mal auf dem Plaza wie es weitergeht. Wir sitzen kaum auf einer Bank, da stellt sich ein Mann als Präsident des örtlichen Fahrrad- Clubs vor, der sich für eine fahrradfreundliche Stadt einsetzen. Er fragt ob er uns helfen kann. Als Max mit seinen langen grauen Haaren hört von wo wir kommen, bezeichnet er die Ruta de Fruta als die gefährlichste Straße Chiles. Soweit zu unserer tollen Fahrt durch die Obstgärten!
Er empfiehlt uns weiter nach Cartagena zu fahren, denn dort ist es ruhiger und es gibt mehr Hostels als hier.

Nach insgesamt 105 km, die längste Etappe bisher, erreichen wir Cartagena und mit der Hilfe der Touristen-Information finden wir ein günstiges und sauberes Hostel das von einer Mutter mit ihren beiden Zwillingen betreut wird. Wir sind hungrig und fragen sie nach einem empfehlenswerten Restaurant. Dort angekommen ist es leider geschlossen und wir gehen etwas weiter die Straße runter. In einer Kurve stolpern wir in ein Restaurant in dem eine Gruppe Frauen sitzt. Wenn Ortsansässige hier essen, kann es ja nicht zu schlecht sein, glauben wir... Leider haben die Frauen nur Kaffee getrunken und vielleicht hätten uns die schmuddeligen Tischdecken eine Warnung sein sollen. Habe ich erwähnt, dass wir einen langen anstrengenden Tag hinter uns haben? Vielleicht haben wir deswegen nicht schnell genug reagiert. Ich will gar nicht alle Details beschreiben, aber das Essen ist RICHTIG schlecht. Wir essen fast nichts und kippen schnell ein Bier hinterher, das desinfizierend wirken möge und verlassen den Laden so schnell wie möglich. Auf dem Heimweg kaufen wir Schokolade und ungesunde Brause um den faden Geschmack loszuwerden.

Anmerkung: Wir wurden nicht krank vom Essen. Statt dessen wollen wir uns erinnern, damit wir beim nächsten Mal, egal wie müde wir sind, aufmerksamer sind und uns Zeit lassen beim auswählen von Restaurants & Co.

2 Antworten

  1. Wenn ich eure Berichte so lese, denke ich fahren permanent viele Schutzengel mit ,einer hätte viel zu viel zu tun. Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Freude und auch Glück . Wo seid ihr Weihnachten?
  2. Ich wünsche Euch schöne Weihnachten,egal wo Ihr gerade seit. Alles Gute von Roswitha

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