Time to Say Good-Bye

(Geschrieben am 21. Juni)
Ein Jahr, 365 Tage, 8760 Stunden! Unser Jahr ist fast vorbei. Ich sitze auf der Terasse eines Hostals in dem wir insgesamt 3! mal waren. Man kann aufs Meer sehen (so ziemlich) und ich schlafe mit dem Rauschen der Wellen ein. Für die letzten drei Wochen haben wir die Räder gegen ein 4x4 Auto getauscht um noch die Berge im Norden und ein wenig der Amazonregion in Peru zu sehen die wir verpasst haben als wir in der Regenzeit die Küste runtergeradelt sind.

Vier Montate sind wir in den USA geradelt, wir haben Lisa, meine amerikanische Gastschwester und meine Gasteltern besucht. Markus hat mehr Hamburger gegessen als ihm geschmeckt haben und ich habe mich, nachdem wir die kalifornische Küste verlassen haben, nach natürlichen Nahringsmitteln gesehnt. In Südamerika haben wir 8 Monate verbracht, davon allein 6 in Peru, zwei in Ecuador und eine kleine Stippvisite in Copacabana, Bolivien. Welch eine Reise!

Wir haben unbeschreiblichen Reichtum in den großen Städten der USA gesehen, mexikanischen Einwanderergeschichten gelauscht und Käse in sehr ärmlichen, schmutzigen Lehmhütten in den Anden gekauft. Wir haben ohne Decken in den Wüsten von Nord und Südamerika geschalfen und uns auf über 4000 m in zwei Schlafsäcke gekuschelt wo das Wasser in der Ortlieb Waschschüssel morgens gefroren war. Wir haben auf alten verlassenen Inkaterassen mit Ausblick auf schneebedeckte Vulkane gezeltet, wo sich freundliche Campesinos (Bauern) auf ihren Burros (Esel) erkundigten, ob wir irgendetwas brauchen. Wir haben Freudentränen vergossen als wir den Pazifik in Peru zum zweiten Mal erreichten. Wir verbrachten unser schönstes Sylvester in Zorritos am Strand. Wir radelten mehr als 100 km an einem Tag und schafften an einem anderen nur 14 km als uns viele Erdrutsche den Weg versperrten. Mein Körper hat eine Leistung vollbracht, die ich nie von ihm erwartet hätte und ich habe gelernt, durchzuhalten an Stellen, wo ich früher aufgegeben hätte. Ich nehme heute Dinge hin, die ich nicht ändern kann beschwere mich (fast) nicht mehr. Jede Kurve, jeder Hügel schenkte uns neue Ansichten und Erlebnisse und die Neugierde darauf trieb mich an.

All das geht nun zu Ende und ich schwanke zwischen der Vorfreude auf meine Heimat und meine Freunde und Familie und dem traurigen Gefühl des Abschieds von einer unglaublichen, aufregenden und wundervollen Reise. Bald landen wir mit dem Flieger in Amsterdam, good old Europe. Auf Wiedersehen Peru, du hast uns reich beschenkt, hast uns belehrt und wir haben Dinge gesehen, die wir uns nicht haben träumen lassen. Ich danke allen, die diese Reise zu dem gemacht haben was sie ist: ein einzigartiges Geschenk.

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1 Antwort

  1. Thomas
    Hallo Alex, Es ist schoen wieder was von Dir zu lesen. Das kommt so schoen von Herzen. Schoen das ihr wieder auf dem Kontinent seid. Wir sehen uns bald :-) Thomas

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