Zu Hause

Nach Hause kommen, die Tür aufschließen, alles erscheint solide, nichts provisorisch, für den Übergang. Herein kommen. Blumen auf dem Tisch. Im Schrank viel duftende, saubere Wäsche, es gibt Auswahl; Farbe und Stil sind die Kriterien, nicht Sauberkeit und Anpassung an momentane klimatische Bedingungen. Es gibt ein Badezimmer, die erste Benutzung ist ehrfürchtig.
Vor ein paar Tagen noch haben wir uns einen geeigneten Platz für die Notdurft neben der Straße gesucht, Wasser in jeder Form gegen Ende des Tages war willkommen, um sich wenigstens etwas zu waschen. Das Leben war so überschaubar, klein und doch so viel erlebnisreicher und freier. Kleinigkeiten haben mehr Gewicht. Der Umgang mit Menschen ist viel achtsamer, der Respekt für jede Lebensweise größer. Alles rückt in einen anderen Blickwinkel.
Was ist wirklich wichtig? Unterwegs ist es Trinken, Essen, Dach überm Kopf und Kommunikation. Wenn man in einem Land unterwegs ist, in dem man die Sprache nicht mal mehr vernünftig lesen kann, wird deutlich, wie wichtig der menschliche Austausch ist, nicht nur um Essen und Trinken zu kaufen, sondern auch, um Neugier zu befriedigen, die eigene und die der Menschen des bereisten Landes und um ein besseres Verständnis für die Kultur, in der man sich gerade bewegt, zu erlangen.
Und doch gibt es so viel gelungene Kommunikation auch ohne Sprache, insbesondere wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Wenn die Sonne brennt und man bergauf fährt, verstehe jeder, dass man Durst hat. Wenn man schmutzig ist, wird das Bedürfnis nach Sauberkeit erkannt und Menschen versuchen, es einem besser gehen zu lassen. Es vermittelt Anerkennung, wenn man es auf sich nimmt, mit dem Rad ein Land zu bereisen. Viele verstehen, dass man sich die Erfahrung verdient und manchmal erkämpft, dass dies nicht der einfache Weg ist. Die Belohnung ist Nähe zu dem Land und ihren Menschen, die Erkenntnis, dass die am meisten geben, die am wenigsten haben. Und immer wieder unerwartete Freundlichkeit und Aufmerksamkeit. Geschenkte Aprikosen, geschenktes Brot. Übernachtung auf einer freien Wiese im Dorf inklusive Eimer Wasser zum Waschen. Das große Interesse der Menschen an dem, was wir tun. Einladung zur Übernachtung in einer Familie. Das kann beschämen, wenn man aus einem Land kommt, in dem Besitz, Status und das Äußere so viel zählen.
Der Vorsatz bei der Rückkehr, die Menschen nicht immer gleich in Schubladen zu stecken. Es gibt viele Arten zu leben. Sie machen das Leben bunter und interessanter und lassen die eigene Lebensweise überdenken.
Nach Hause kommen, die Tür aufschließen, alles erscheint anders als vorher, größer, luxuriöser, überflüssiger. Ist das wirklich noch ein Zuhause, das zu mir passt?

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