Arriba – Hinauf

alexandra, 28. Dezember 2011

Zu meinem Geburtstag (17. Dez) wollen wir in Cuenca sein. Vor uns liegt die erste offizielle Bergetappe. Kein Taxi, wir strampeln selber 2300 m bergauf von Santiago de Mendez im Dschungel hinauf die Berge. Die ersten 5 km sind ok. Es geht recht unspektakulär ein wenig auf und ab. Dann nach einer letzten Brücke über den Fluss macht der Berg ernst. Ich kämpfe mich mit 3,5 h/km aufwärts und habe keine Ahnung wie wir es bei dieser Geschwindigkeit bis nach Quenca schaffen sollen. Ich schwitze wie nie zu vor in meinem Leben und meine Oberschenkel brennen. Irgendwann wird es etwas kühler. Wir haben den feuchten, heißen Dschungel hinter uns gelassen. 

Wir machen viele kleine Pausen und gegen Mittag essen wir unser Lunch gemeinsam mit ein paar Straßenarbeitern. Nun ist die asphaltierte Straße zu Ende und neben der Steigung mühen wir uns noch mit dem holprigen Schotter ab. Um 15:00 Uhr, nach 25 km haben wir genug für heute. Wir brauchen einen Platz für unser Zelt. Ebene Flächen sind hier selten und so fragen wir schließlich bei einem rustikal gut aussehenden Haus ob wir auf diesem Grundstück unser Zelt aufschlagen dürfen. (Ich frage, denn die Menschen reagieren freundlicher auf eine blonde Frau als auf einen ernsten Gringo)
Wir dürfen nicht nur hier zelten, sondern bekommen auch das Wohnzimmer als Schlafplatz angeboten! Allerdings bevorzugen wir unser privaten Raum im Zelt. Zu meiner Überraschung bietet uns die Frau (Martha) auch noch eine warme Dusche an! Juchuu, mit dem Luxus habe ich heute nicht gerechnet!
Während Markus das Zelt aufbaut, dusche ich und als ich fertig bin sagt Martha ich solle Markus rufen, denn sie habe Kakao gekocht. Ich hole ihn und wir genießen den Kakao, Gebäck, eine süße Creme und Käse. Wir genießen auch die Unterhaltung mit Martha und beantworten gerne ihre Fragen über uns und unsere Reise. Am Abend dürfen wir ihre Küche zum Kochen nutzen ebenso am nächsten Morgen zum Frühstück. Zum Abschied überreichen wir Martha und ihrem Bruder Jorge unsere Karte. Dann sind wir wieder auf dem Weg bergauf.

Es ist wieder steil und die Straße wird sogar noch schlechter. Mittags wird uns klar, dass wir es so niemals rechtzeitig zu meinem Geburtstag nach Cuenca schaffen. Aber es scheint, als ob die Menschen hier dazu bestimmt sind uns für die schlechte Straße zu entschädigen. Hinter einer Kurve taucht im dichten Nebel ein kleiner Laden auf und auf einem Schild steht:”Schokolade”. Junge, das ist jetzt genau das richtige! Wir halten an und kaufen alles was der Laden mit Schokoladengeschmack hergibt. Nach dem wir die ersten Stücke gegessen haben, fragt uns die Besitzerin, ob wir Suppe möchten. Das nehmen wir gerne an und im Anschluss bekommen wir auch noch Reis und Bohnen. Als ich für das unerwartete Essen bezahlen möchte, lächelt die Frau nur und sagt, es sei ein Geschenk. Sie nimmt nur unsere Karte als Erinnerung und wir steigen fast beschämt wieder aufs Rad.

Da wir es nun definitiv nicht zum Geburtstag nach Cuenca schaffen, versuchen wir am Nachmittag ein Auto anzuhalten, dass uns so weit wie möglich Richtung Cuenca mitnimmt. Gleich der erste Pickup hält an. Er ist von der Firma Sika und die beiden Ingenieure nehmen uns die ganzen 100 km umsonst mit nach Cuenca. Zu guter Letzt setzen sie uns direkt vor einem netten Hotel ab und handeln für uns ihren Firmentarif aus. So sitzen wir am Ende des Tages in einem schicken Hotel, haben ein sauberes Bett und eine heiße Dusche. 

Es scheint, als ob Arm und Reich, Jung und Alt sich verschworen haben uns zu helfen, damit wir nicht aufgeben auf unserer Reise, egal wie schwer es wird!

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