Alt und vernünftig
von Markus, 30. November
Der Papallacta Pass, der vor uns liegt ist 4064 m hoch. Wir sind gestern aus Quito rausgefahren und haben somit unseren ersten Reisetag auf dem Rad hier in Südamerika hinter uns. Wir haben erste Bekanntschaft mit den Strassenverhältnissen gemacht haben festgestellt, wie schwer es uns fällt, auf dieser Höhe bergauf zu fahren. Als wir heute unsere Unterkunft erreicht haben, gibt es ein beeindruckendes Gewitter. Wir freuen uns, dass wir ein festes Dach über dem Kopf haben. Von der Herbergsleitung erfahren wir nebenbei, dass auf der Passhöhe der Niederschlag als Eisregen fällt.
Mir liegt dieser schhhh… Pass quer im Magen. Seit fünf Wochen sind wir nicht mehr mit dem Rad unterwegs gewesen und nun gleich so ein Anfang?
Letzte Woche waren wir wandern, auf dem Hausberg von Quito (Pichincha). Ab 4500m war uns oft leicht duselig im Kopf und wir mussten viele Pausen machen.
Hmmm???
Die Herbergsleitung ist noch mit Ende 50 über diesen Pass geradelt, und ich habe viele Bilder und Geschichten gesehen und gelesen von Menschen allen Alters, die durch die Anden fahren. Dann sollten wir das doch auch schaffen!
Hmmmm???
Wir werden zwei Tage brauchen und müssen unser Zelt dort irgendwo in die Wildniss stellen. Hmmm, Eisregen…. Es ist auch nicht ganz klar ob und wo wir Wasser bekommen. Hmmm
Unsere Zimmernachbarn fahren immer mit den Camionetas (Pickups als Taxi) in die Stadt zum Einkaufen….
Mensch Huebi, was ist los? Triff jetzt mal eine Entscheidung!
Wir fahren morgen mit dem Rad in die Stadt Pifo und nehmen uns eines dieser Lastentaxen über den Pass! Ich habe so oft Glück gehabt beim Wandern, und beim Radreisen, weil ich im Abenteurrausch nicht aufgeben wollte. Immer bin ich heile nach Hause gekommen. Ich habe meine Grenzen oft ausgereizt und heute entscheide ich nicht nur für mich sondern auch für Alexandra. Es ist ein bisschen wie aufgeben, aber ich glaube es ist besser so. Wenn wir uns an dieses Land, die Berge und das Klima gewöhnt haben, bin ich bereit für solche (Tor)touren. Vielleicht werde ich alt, aber mit dieser Entscheidung löst sich ein Knoten in meinem Bauch, und ich will auch diesmal wieder gesund nach Hause kommen!


