Stadtleben
Stadtleben
Wir haben hier in Patagonien nun einige Städte oder Dörfer gesehen. Wir konnten uns mit allem versorgen, was nötig war und hatten immer eine gute Pause vom Radfahren. Allerdings sehen die Ortschaften hier anders aus und so will ich versuchen mit diesem Artikel ein besseres Bild vom „Stadtleben“ zu zeichnen.
Die größte Städte, die wir bisher gesehen haben waren Puerto Montt und Coyhaique. Letztere hat laut Wikipedia 60.000 Einwohner. Puerto Montt ist deutlich größer, aber es ist auch noch nicht so richtig Patagonien. Alle anderen Orte sind kleiner und aus unserer Sicht eher Dorf als Stadt.
Es gibt keine hohen Häuser. Eins der wenigen Häuser mit mehr als Erdgeschoss und Dachboden haben die deutschen Gründer in Puyuhapi gebaut. Diese beiden Häuser haben eine zweite Etage.
Die Carretera Austral ist die einzige Hauptstraße im Ort. Davon gehen Seitenstraßen ab, die schachbrettartig einen Ort bilden. Es gibt immer eine kleine Kirche, eine Schule und irgendeinen zentralen Platz. Der ist jedoch keine Marktplatz wie in Deutschland sondern fast parkähnlich angelegt. Sternförmig führen die Fußwege in die Platzmitte in der nun aus kreativen Materialien gebaute Weihnachtsbäume stehen.
Im Ort gibt es alles für den täglichen Bedarf. Die Supermärkte sind viel mehr ein „Tante Emma Laden“, also ganz klein aber unglaublich gut sortiert. Durch den Tourismus finden wir auch die Nahrungsmittel, die wir unterwegs auf dem Rad brauchen. Irgendwo unter der Decke oder hinterm Tresen entdecken wir Ladekabel und Co. Eine Panaderia, also einen Bäcker gibt es auch. Meist wird nur eine Sorte Brötchen gebacken und die entspricht nicht dem leckeren Sonntagmorgen Frühstück zuhause, aber es passt. Als Ausgleich gibt es leckeren Kuchen, der hier auch so heißt.
Apotheken gibt es und Ärzte und Physioterapeuten. Friseure habe ich nicht gesehen, vielleicht wird das Haareschneiden privat gelöst. Eine Werkstatt, oft als Ferreteria bezeichnet ist immer irgendwo und in den Städten wie Coyhique findet man auch Fahrradhändler bzw Werkstätten.
Das Bild der Stadt ist weniger aufgeräumt als in Deutschland. Es stehen oft defekte Autos an der Straße, Häuser sind nicht ganz fertig oder brauchen dringend einen Renovierung. Die Leitungen sind oberirdisch verlegt. Fußwege gibt es auf denen die vielen Hunde liegen. Manchmal verkriechen sie sich im Schatten der vielen Pickup Trucks. Radwege – eine Rarität. Ist aber auch nicht nötig den der Autoverkehr ist überschaubar.
Wenn wir nach ein paar Tagen in der Natur in einen solchen Ort kommen freuen wir uns auf einen geschützten Raum und vielleicht ein gutes Restaurant. Dazu haben wir uns bisher eine Cabaña gesucht. Das entspricht am ehesten einem Gartenhaus mit Kochgelegenheit und Badezimmer und WiFi. Alles weitere ist Luxus.
Die Restaurants sind weniger chic. Das Essen schmeckt aber gut. Lachs war insbesondere an der Küste superlecker und gestern haben wir einen Burgerplace gefunden – Boah ey – nach Tagen mit Nudeln, Kartoffelmus oder Couscous war das ein Gaumenschmaus!
Natürlich schließen wir die Räder an, und die Tür unserer Cabana ab, aber wir fühlen uns hier sicher. Die Menschen sind sehr freundlich und geduldig, wenn wir das Spanische nicht sofort verstehen. Man grüßt sich auf der Straße.
Inzwischen wird es volle. Die Saison beginnt am ersten Januar, doch schon jetzt müssen wir mehr suchen, um eine Unterkunft zu finden. Wir sind froh, dass wir für Weihnachten vorgebucht haben.
Preise? Es is teuer hier. Insbesondere im Vergleich zur Qualität. Aber trotzdem ist es vermessen sich als Deutscher über die Preise zu beschweren. Lebensmittel oder Material werden über mehrere tausend Kilometer über die Carreterra zum Teil über Schotterpisten hierher gefahren. Da gibt es eben keine große Gemüseauswahl und der Zustand der Hütten ist nicht immer perfekt, weil es schlicht an Material fehlt. Außerdem verdienen die Menschen innerhalb von drei bis vier Monaten der Saison ihr Jahreseinkommen. Da kann es nicht ganz billig sein. Die Lebensmittel kosten schließlich für alles das gleiche.

Wenn ich hier aus dem Fester schaue, kann ich die noch schneebedeckten Berge auf der anderen Seite des Sees sehen. Die Landschaft ist ein Traum und irgendwie scheint mir das Leben hier trotz fehlendem Luxus, manchmal auch trotz Entbehrungen lebenswert. Es ist viel dichter an und in der Natur. Es ist sicherlich nicht immer leicht, aber das ist es zuhause auch nicht. Eigentlich ist es hier nur etwas anders.
Irgendwann werde ich wieder zuhause an unserem Tisch sitzen und das reichliche Sonntagsfrühstück genießen. Diesen Blick aus dem Fenster werde ich sehnsüchtig vermissen und nie vergessen. Die Unannehmlichkeiten werden dagegen schnell verblassen.









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Bene
Wow, das sind tolle Eindrücke die ihr hier teilt. Ich freue mich immer von Euch zu hören! Lasst es Euch gut gehen. LG Bene