Sylvesterradtour

markus, 01. Januar 2012

Heute soll ein guter Tag werden! Es ist Sylvester und wir wollen die Grenze nach Peru überqueren. Freiwillig sind wir zeitig auf dem Rad, denn sowohl die Stadt Arenillas als auch unsere Unterkunft dort laden absolut nicht zum Verweilen ein. Dieses Nest ist eigentlich ein unschöner Abschied von Ecuador, denn wir sind in diesem Land

immer gut untergekommen und haben viel Hilfe von den liebenswerten Menschen erhalten. Wir sehen es als Motivation, die einhundert Kilometer in der ungewohnten Wärme auf nahezu Meereshöhe anzugehen. Uns treibt auch die Sehnsucht nach dem Meer. Nach den engen Bergen und dem vielen Grün im Urwald können wir es nicht erwarten, auf einer ebenen Strasse dahinzurollen und die salzige Luft des Pazifiks einzusaugen.

Wir sausen raus aus der Stadt und erreichen nach leichten 28 km die Grenze. Wir passieren links die ersten modernen Grenzanlagen, die Beamten pfeifen mal wieder meiner blonden Frau hinterher, und rollen auf einer perfekten Strasse über eine Brücke, die mit europäischen Geldern gebaut wurde und neben den beiden Landesfahnen auch die Europäische zeigt. Vor uns taucht die Grenze zu Peru auf. Ein Beamter schickt uns zu einer der kleinen Bauhütten. Leider ist keiner da und ein weiterer, nicht besonders beschäftigter Beamter, muss ihn per Funk rufen. Kaum hat der verantwortliche Beamte sein Moped abgestellt und ein Blick auf unsere Pässe geworfen schickt er uns zurück nach Ecuador. Wir brauchen noch einen Ausreisestempel. Also 3 km zurück. Jetzt, auf der anderen Seite der Fahrbahn, kommen wir auch automatisch in die Grenzanlagen der Ecuadorianer. Vorhin hätten wir dazu abbiegen müssen. Eine Strassenführung, die sich dem einfachen deutschen Reiseradler nicht unbedingt erschließt.

Wieder bei den Peruanern finden wir nette Worte für die Ecuadorianer, diese nutzen Ihre neuen Grenzanlagen wenigstens, während wir hier vor einer Baracke stehen und unsere Papiere ausfüllen. Hinter uns verwaist die neue Grenzanlage in der Sonne.
Wir sind am Ende froh, auf beiden Seiten freundliche, hilfsbereite Beamte getroffen zu haben, wir dürfen nun 180 Tage hier bleiben, und so rollen unsere Räder bald auf peruanischem Asphalt. 

“Ich habe einen Traum: ich möchte durch die Anden in Peru fahren auf einer Strecke von 300 km auf eine Höhe von 4000 m durch alle Klimazonen der Erde. – Mit dem Fahrrad!” So steht es auf unserer Postkarte, die wir verteilen wenn sich jemand für unsere Reise Interessiert. Ich bin angekommen in meinem Traum! Er wird real. Als wir rechts von uns das erste Mal das Meer sehen können, halten wir kurz an. Alex lächelt, weil sie wohl sieht, dass ich mit meinen Freudentränen kämpfe. Nach vielen Klilometern haben wir den Pazifik ein zweites Mal erreicht – diesmal auf der Südhalbkugel. Es sind diese kleinen Momente, für die wir diese Reise machen, uns durch die schwüle Hitze des Dschungles und über die Berge quälen.

In Tumbes, der ersten Stadt in Peru, sehen wir die ersten Unterschiede zu Ecuador. Unzählige Tuk Tuks, die hier Mototaxis heißen. Es ist viel wuseliger auf der Straße und leider liegt am Straßenrand deutlich mehr Müll. Wir besorgen uns eine neue Telefonkarte, finden einen Geldautomaten der funktioniert und gehen essen. Ein weiteres Highlight: Das Essen ist deutlich besser. Juchuu!

Wenig später erreichen wir unseren Campingplatz südlich von Zorritos. Unser Zelt bauen wir unter einem Palmendach auf, springen dann erst mal ins Meer und lassen uns von den Wellen wieder an den Strand spülen. Heute Abend essen wir das Sylvestermenü im Restaurant mit gutem Wein und Pisco Sour und das neue Jahr begrüßen wir am Strand bei Lagerfeuer, Raggae Musik und interessanten Gesprächen.

Welch ein Tag. Danke Peru, für diese wunderbare Begrüßung. 

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