Dschungelfieber

Markus, 22. November 2011

Im Bus kann es kalt werden, und wir sollten besser eine Decke mitnehmen, so wurde uns erzählt. Als wir abends um 21:30 Uhr in den Bus einsteigen ist mir klar, dass ich keine Decke brauche. Der Bus ist voll besetzt und die vielen Menschen heizen reichlich ein. Ich schlafe kaum, die schlechte Luft läßt die Fenster beschlagen und durch die vielen Kurven schlenkert mein Kopf hin und her bevor ich einschlafe.

Ziemlich gerädert kommen wir in Coca an. Durch die feuchtwarme Luft klebt die Kleidung auf der Haut obwohl es erst 6:00 Uhr morgens ist. Um 11:00 Uhr geht es weiter. Ein langes Boot mit Außenborder und einer Plane als Dach bringt uns auf dem Rio Napo flussabwärts zur Yarina Lodge. Hinter einer der unzähligen Kurven, auf einem kleinen Nebenfluss, taucht vor uns die Lodge auf. Die strohbedeckten Hütten vor der grünen Kulisse des Regenwaldes sind ein filmreifer Anblick. Als der Motor verstummt vergessen wir die Hitze und die Busfahrt und lauschen dem Sound der Selva.

Hier im Paradies lernen wir halbtags Spanisch und in der freien Zeit unternehmen wir Exkursionen mit einem heimischen Guide in das grüne Dickicht. Den Ankunftstag erleben wir in leichter Trance, aber am nächsten Morgen sind wir ausgeschlafen, lernen die Hitze zu akzeptieren und arrangieren uns mit Hilfe von viel Repellent mit den Moskitos. Die drei Papageien der Lodge gruessen Krächzend “Hola”, das junge Tapir schnüffelt neugierig an meinen Füßen und wir verlieren unsere Angst vor “Laura”, der handgrossen Tarantel, die eines abends über die Veranda krabbelt.

Als wir zum ersten Mal in den Wald gehen, sehen wir nur tausende Grüntöne. Senior Winter, unser Guide, kennt seinen Wald und mit jeder neuen Pflanze und jedem neuen Tier das er uns zeigt, gewöhnen sich unsere Augen an diese Welt. Ich kann mir all die Namen der Pflanzen nicht merken, aber ich bin begeistert von der Vielfalt und der Kreativitaet mit die Natur hier zu Werke geht.

Nachts fahren wir mit dem Kanu in eine Lagune auf der Suche nach Kaimanen. In der Lagune paddelt nur noch Senior Winter – lautlos! Wir horchen in die nächtliche Musik des Waldes hinein und hoffen mit den Taschenlampen die rot leuchtenden Augen der Kaimane zu entdecken. Wir finden keine, aber als wir ohne Licht auf der Lagune treiben, leuchten unzählige kleine Glühwürmchen und wir fühlen uns wie Alice im Wunderland.

Nach fünf Tagen sitzen wir nachts wieder im Bus. Die neuen spanischen Vokabeln verblassen in unseren Gedanken vor den Bildern des Regenwaldes. Erinnerungen an die indigenen Familie, die uns Fisch und Bananen gekocht hat, an Schmetterlinge in allen Farben und zuletzt an den kühlenden Wind im Boot auf dem Rio Napo. In 10 Stunden werden wir wieder in der frischen kühlen Sierra, auf 3000 Meter im Gewusel der Grossstadt Quito sein.

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