Dünn besiedelt und wunderschön

Als wir Zuhause von der Reise geträumt haben und nach Regionen und Orten suchten, die wir bereisen wollen, sind wir über die Montañas Vacias gestolpert. Eine dünn besiedelte Region im Osten Spaniens. Auf bikepacking.com sind dort Touren beschrieben. Die Tracks dort sind nix für Anfänger, das war uns klar aber wir mögen die einsamen Regionen und so wollten wir nach für uns passenden Wegen suchen. 

Wir sind in Burgos im Norden aufgebrochen nach Cuenca und wollen dabei diese Region in einem Bogen durchfahren. 

Von Burgos aus folgen wir dem Camino del Cid. Ein alter Ritter hat mit seiner Geschichte heute für eine ausgeschilderte Radroute (und separat und kürzer auch für einen Wanderweg) gesorgt. Der Radweg folgt dabei den Landstraßen, separate Radwege gibt es nicht. Allerdings ist hier so wenig Verkehr, dass wir entspannt auf dem Asphalt dahin rollen. Auch bergauf, langsam und schlingernd haben keine Sorge vor Autos und LKWs. 

Campingplätze entlang der Stecke haben wir bisher nicht gefunden. Also zelten wir wild. Es ist schon hier, noch weit weg von der beschriebenen Region, so dünn besiedelt, dass sich niemand kümmert, ob wir unser Zelt hier aufschlagen. So füllen wir in der ersten Nacht unser Wasser in einem Dorf auf und fahren eine Feldweg am Fluss entlang aus dem Ort heraus, bis wir eine ebene Fläche für das Zelt finden. Prima – Wir können uns auch im Fluss waschen! 

Wir haben nicht geahnt, dass die Menschen aus dem Ort abends alle einen Spaziergang machen und somit direkt an unserem Zelt vorbei laufen! Alle grüßen freundlich und gehen weiter. Es ist also völlig OK. 

Wir haben abgesehen vom Regen  eine ruhig Nacht. 

In den nächsten Tagen durchfahren wir Orte, die wie ausgestorben wirken. Wir treffen nur wenige alte Menschen, Schulen sind geschlossen und den Einkauf müssen wir planen, denn es gibt nur in den größeren Orten kleine Läden und die haben ab Mittag bis 17:00 Siesta. 

Die Landschaft wird karger, je weiter südlich wir kommen. Erst gibt es noch tolle Steineichenwälder, später finden wir Bäume meist nur an den Fussläufen. Landwirtschaft gibt es noch und die sorgen für reichlich Fliegen. 

Die Dörfer waren und sind eigentlich nur der zentrale Punkt für die Landwirtschaft. Das ernährt heute aber kaum ein ganzes Dorf. Der Tourismus hat sicherlich in den Sommermonaten seinen Platz. Jetzt im September ist nicht mehr viel los und es wirkt leer. Vermutlich sind alle jungen Familien in die Städte gezogen, wo es Arbeit und Schulen gibt. Wie so oft in strukturschwachen Regionen. Dabei sind die Ort so schön. Die Häuser sind alt, klein und schmiegen sich dichtgedrängt mit der gelb roten Farbe der Steine in die Landschaft. Kleine enge Gassen schöne Plätze mit Bänken, die zum Verweilen einladen. Schade, dass die moderne Arbeitswelt ein Leben hier sehr schwer macht. 

Wir genießen die Einsamkeit, sind neugierig, machen viele Fotos und lassen uns Zeit. Wir freuen uns über die Wasserspender, die wir bisher in jedem Dorf gefunden haben und somit eine für uns wichtige Versorgung sichergestellt ist. 

Wir pendeln in der Höhe zwischen 800 und 1300 Meter und haben gestern fast 1000 Höhenmeter gefahren. Für uns ist das viel und so machen wir einen Tag Pause in Atienza. In einem alten Convent, das zum Hotel umgebaut wurde finden wir ein Zimmer. Abendessen gibt es erst um 21:00, was für uns hungrige Radler viel zu spät ist. Wir suchen im Ort nach anderen Restaurants. In einem Hotel ist der Mann an der Rezeption vor dem Fernseher eingeschlafen und ich muss ihn wecken um nach Essen zu fragen. Hier ist halt nix los…

Wir warten also bis 21:00, bekommen als eines von zwei Paaren im Restaurant ziemlich gutes Essen. Etwas wenig Gemüse, genau wie das Sortiment in dem kleinen Supermarkt im Ort. Aber es schmeckt und macht satt. Und es gibt lecker Rotwein 🙂

Wir planen unsere weitere Strecke nun um. Noch einsamer muss es für uns nicht werden, denn dann müssten wir für mehrere Tage Verpflegung die Berge rauffahren. Nach der neue Route sind es noch 4 Tage bis Cuenca, eine Studentenstadt – dort wird mehr Leben sein und nach der Zeit in dieser Einsamkeit freuen wir uns darauf. 

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