Tapas, drinks und lebensfreude
Vor zwei Tagen sind wir in Sevilla angekommen. Bisher hatten wir immer nur relativ kurzen Kontakt zu Spanier:innen, also nur so viel, wie man eben hat, wenn man in einer Unterkunft eincheckt, Lebensmittel kauft, etc.
Gestern Abend haben wir nun meine ehemalige Kollegin Lena und ihren Freund Ramon getroffen und sind zusammen ausgegangen, erst in eine Tapasbar, und danach noch in der „bicicleteria“ was trinken. Ich habe an diesem Abend viel über die spanische Kultur und Lebensweise gelernt, (danke an Lena und Ramon) und es sind ein paar Dinge dabei, die ich für mich selber mitnehme möchte.
Die Spanier feiern das Leben. Wenn sie nicht arbeiten und Zeit haben machen sie es sich schön, gehen weg, fahren einfach irgendwohin, pflegen Rituale. Lena sagte, dass z.B. Eltern ihre Kinder am Freitag mit vollgepacktem Wagen abholen um übers Wochenende an den Strand zu fahren. Es wird viel weniger langfristig im Voraus geplant, gute Gelegenheiten werden einfach in dem Moment ergriffen wo sie sich bieten, das Verständnis für Zeit ist ein anderes. Lena plant immer lange im Voraus wenn sie in den Ferien nach Spanien fliegt, ihr Freund hat die Idee, bucht den Flug und sagt ihr dann, er ist in drei Tagen da. Für sie ist es schon in drei Tagen für ihn sind es noch drei Tage. Diese Einstellung gibt einem auch so viel mehr Freiheit auf Bedürfnisse zu reagieren, sich nicht von vor Monaten gemachten Plänen das Leben diktieren zu lassen oder sich eben einzuschränken, weil es ja jetzt zu „spät“ ist und man ja hätte planen müssen, damit alles perfekt ist.
Als wir gestern Abend ausgegangen sind waren die Straßen voll mit Menschen jeden Alters, um 21:00 sind die Spielplätze richtig gut besucht, welche tagsüber oft verwaist daliegen. Die Bars sind proppenvoll, alle reden, lachen, diskutieren. Für mich hat es den Anschein, dass man sein Herz auf der Zunge trägt, insgesamt ist da so viel Leidenschaft und Lebensenergie in der Luft. Alles ist viel weniger steif und „gesittet“. Wenn Gruppen zusammen sind wird geredet und gelacht und kaum aufs Handy geschaut. Das Leben pulsiert in den Straßen, es ist laut, Autos hupen, Musik wabert von irgendwo herüber. Das Zusammensein wird mit viel Leichtigkeit genossen, es geht darum einfach Spaß am Leben zu haben. Es wird viel mehr im Moment gelebt, jetzt ist das Leben gut, egal was morgen ist, darüber kann man sich später Sorgen machen.
Mein Motto für diese Reise ist „die Entdeckung der Achtsamkeit“ und hier in Spanien habe ich ein gutes Vorbild für diese Lebensweise gefunden. Danke Spanien, Ramon und Lena!


