Halt mal kurz!

Pausen einer Radreise


Bei einer Radreise geht es natürlich um das Fahren und um „Vorwärts“ und „bis zum Horizont und noch viel weiter“ . Aber ich bin überzeugt auch Buzz Lightyear

macht mal Pause. Und wenn es nur zum Pinkeln ist. 

Wie viel Pausen sind eigentlich OK? Oder wie viel Pause brauchen wir, damit wir einen Tag gut überstehen, und das auch über mehrere Tage? 

Zunächst ein Mal fahren wir nicht jeden Tag. Das würden wir nicht ein ganzen Jahr durchhalten und das ist auch nicht sinnvoll. Auf dem Rad zieht die Landschaft an einem vorbei mit 1000 Eindrücken. Pausentage helfen diese vielen Eindrücke zu verarbeiten. Es ist auch schön, einen Tag lang die Sicherheit an einem Ort zu genießen, Vorräte aufzufüllen und Wäsche zu waschen oder sich um das Equipment zu kümmern. Ja, und die Beine können sich ganz nebenbei erholen. 

Wir haben vor der Reise die grobe Planung von 3 Tage fahren – einen Tag Pause angestrebt. Inzwischen machen wir eher mehr Pausentage.

Eine weitere Frage ist die Verteilung der Pausen über einen Fahrtag. Eine Variante ist es bis zum Mittag die Hälfte der Strecke zu fahren, dann eine ausgiebige Pause machen und den Rest des Tages wieder zu halbieren und eine Pause machen und davon den Rest erneut… Wenn man das mathematisch perfekt weiterführt kommt man nie an! Zum Glück sind wir alle Praktiker und fahren dann irgendwann durch bis zum Ziel. 

Wir versuchen bis mittags deutlich mehr als de Hälfte zu fahren und machen dann mindestens eine Stunde Pause und essen etwas. Nach dem Mittag ruft immer das Sofa und dann ist es gut, wenn es nicht mehr so weit ist. Bei der Hälfte der Strecke ist es sinnvoll nicht nur die Strecke, sondern auch die Höhenmeter zu berücksichtigen. Also den Anstieg, wenn möglich vor dem Mittag bewältigen. 

Am Vor und Nachmittag ergeben sich weitere Stopps. Für eine Tasse Kaffee, Fotos machen, Toilette, oder einfach mal wieder die Atmung ruhig stellen, wenn es steil bergauf ging. Die Zeit, die wir für die Strecke mit all den kurzen Unterbrechungen brauchen, ist die Reisezeit. Reisezeit plus eine Stunde Mittagspause ergibt die Zeit für die Tagesetppe. Bei uns liegt die Reisezeit je nach Gelände und Wind bei 10-15 km/h. Nach 6 Stunden sollte unser Fahrradtag zünde sein. Wenn es also gut läuft fahren bis 90 km am Tag. Meist jedoch weniger. 

Das ist alles so sachlich und klingt so perfekt organisiert.  – Jein! Diese Ideen helfen uns den Tag einzuschätzen und es ist gut zu wissen was uns erwartet. Aber die Reise wird erst schön, wenn es gelingt den Plan auch mal außer acht zulassen und die Gelegenheiten zu nutzen. Andere Reiseradler treffen und eine halbe Stunde am Straßenrand einen Schnack halte, sich über den Wochenmarkt im Dorf freuen, leckere Sachen kaufen und auf einer Bank das Treiben im Ort genießen. Oder eine gefühlte Ewigkeit damit verbringen die Schmetterlinge zu fotografieren, oder, oder, oder.

Wir genießen auch die längeren Aufenthalte an einem Ort. Es ist schön, eine Woche lang beim gleichen Bäcker einzukaufen, so dass ich bereits wiedererkannt werde. Je nach Wetter ist es toll einfach mal Zeit „drinnen“ zu verbringen. Es ist einfacher nicht auf der bepackte Fahrrad achten zu müssen und sich stattdessen zu Fuß durch die Stadt zu bewegen, um Kunst und Kultur zu besuchen. 

Das ist unsere Art zu reisen. Wir treffen andere Reiseradler, die viel schneller unterwegs sind, längere Etappen fahren, weniger Pausen machen. Ich schreibe diesen Artikel, weil wir selber inzwischen die Pausen genießen und ich mich Stück für Stück davon löse ein gewissen „Soll“ zu erfüllen. 

Aus meiner Sicht gibt es nur eine wichtige Pausenregel. Nach einem Tag auf dem Rad muss noch so viel Kraft übrig sein, dass jeder gut für sich sorgen kann. Also vernünftig essen, etwas Hygiene und das Zelt an einem sicheren Ort gut aufstellen. Dann ist auch am nächsten Morgen der Kopf wieder klar und es wird die bessere Entscheidung für die nächste Etappe getroffen.

Auf das wir uns mal treffen auf einer Pause irgendwo am Horizont, oder kurz dahinter.

Comments

  • Richard
    15.11.2023

    Zum Thema Pausen fällt mir ein Vergleich zum Bergwandern ein. Hier gibt es eine harte Deadline. Man muss vor Einbruch der Dunkelheit an der Hütte sein, sonst wird es gefährlich oder man muss vor der Abendessenzeit an der Hütte sein sonst wird es unkomfortabel. Bei einer Wandergruppe mit 6 Personen klappt das nur mit einer gewissen Disziplin an die sich erstaunlicherweise alle halten, da man ein gemeinsames Tagesziel hat. “ Können wir mal Trinkpause machen” ruf jemand von hinten. Meist kommt dann von vorn : “Ok , am Ende des Anstiegs” oder “oben an der Scharte”. Trinkpause machen wir im stehen, nur kurz den Rucksack absetzen, Mittagspause an einem schönen Platz immer mit Aussicht im sitzen. Oft schon habe ich mir gewünscht an einem schönen Bach länger zu verweilen, aber dann heißt es wieder aufbrechen, da das Tagesziel sonst nicht erreicht wird. Zu Fuß hat man auch unterwegs viel Zeit zum schauen, denken, ja sogar meditieren. Auf einfachen Wegen gehe ich oft ohne zu denken ein Stück. Das ist wie ZEN. Allein oder als Zweiergruppe würde ich vermutlich trotzdem mehr Pausen machen. 😉

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