Rückblick Europa
Wir waren mit allen Pausentagen 123 Tage in Europa unterwegs. Von Bremen nach Sevilla in 3324 km. Soweit ich mich erinnere habe ich 4 x Reifen geflickt, meine Pinion Nabe leckt, ein neues Kopfkissen, ein weiteres geflickt, ein Solarpanel zerlegt, aber sonst ist alles heile. Wir sind gesund in Sevilla angekommen. Wir hatten Wind von allen Seiten und in Summe relativ wenig Regen auf dem Rad, weil wir es gut geschafft haben an Pausentagen abzuwettern.
Eigentlich ist das bis auf die Nabe ok.
Etwas mehr Details? Ok, ein paar Stichworte, aus den Ländern so wie sie mir in Erinnerung kommen.
Wir sind mit ein paar Jugendlichen von der Stadtteilfarm in Huchting, Bremen gestartet und sind am zweiten Tag alleine weiter gefahren. Am dritten Tag haben wir die Grenze nach Holland überschritten. Das Land, in dem wir oft auf den Bauernhöfen übernachtet haben und morgens von Hühnern und Schafen begrüßt wurden. Das war schön, relativ teuer und insgesamt eine windige Zeit. Die perfekten Radwege haben das Radfahren extrem erleichtert und uns bei der Idee uns in Europa warm zufahren sehr geholfen.
Die Grenze zu Belgien haben wir nur erahnt, weil die Radwege plötzlich schlechter wurden. Das Highlight in Belgien war Brügge mit seiner beeindruckend großen Zahl an alten erhaltenen Gebäuden.
In Frankreich, direkt nach der Grenze, (auch die ist in Europa kaum sichtbar), erreichten wir die EuroVelo 1 und sind auf ihr bis zur Fähre von Dunkerque gefahren. Am Strand entlang hat uns ein mächtiger Gegenwind mit Sand beladen ein Peeling verpasst. Wir haben uns schnell auf eine parallele Straße weiter im Inland verzogen.
Dover empfängt seine radfahrenden Besucher umsichtig und führte uns entlang einer blauen Linie aus dem Hafen und auf die linke Straßenseite. Das Wetter in England war wie im Bilderbuch – Regen und Wind. Wir haben uns deswegen nach dem Spoontown Festival für eine kürzere Route entschieden und sind in Portsmouth wieder auf die Fähre gefahren. Jedoch nicht ohne Fish and Chips zu essen und uns den historischen Hafen anzuschauen.
Auf der Überfahrt waren nur die Kabinen belegt und auf den Sitzplätzen war so viel Platz, dass wir zwischen den Reihen unsere Isomatten ausgerollt konnten.
Zurück auf dem Festland folgten wir ein Stück auf der gut ausgeschilderten EuroVelo 1. In der Bretagne besuchten wir Freunde und erholten uns auf deren Hof. Wir lernen viel über die Geschichte der Region und der Beziehung zu England.
Von dort führt uns der Brest-Nantes Kanal bis an die Atlantikküste
Dort regiert der Tourismus. Das heißt volle Campingplätze aber leckeren Kaffee an jedem Tag. Und wir genießen Baguette und Käse zu jeder Mittagspause. Wir sehen die verbrannten Wälder nahe der Dune du Pilat und zelten in den Dünen bei traumhaften Sonnenuntergängen.
Endlose Pinienwälder mit tollen Radwegen bringen uns bis St. Jean de Luz und Biaritz. Von dieser luxuriösen Stadt ist es nicht weit zu Grenze, die wir auch nur auf der Karte sehen. – Zack sind wir in Spanien und machen Pause in San Sebastián.
Wir fahren mit dem Auto und den Rädern nach Burgos und starten von dort auf dem Camino del Cid Richtung Süden. Sofort ist die Gegend dünn besiedelt. Es gibt kaum Campingplätze, und wir achten mehr darauf, wo wir einkaufen können und lernen, dass es in jedem Dorf ein Brunnen mit Trinkwasser gibt. Wir genießen die Einsamkeit und auch die nun sehr trockene Vegetation. In Cuenca sind wir begeistert von der Altstadt in der wir ein paar Tage Pause machen, wandern und das Stadtleben geniessen. Wir ändern unsere Pläne wieder mal und fahren noch nicht nach Sevilla sondern Richtung Mittelmeer. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf einen Abschnitt einer ViaVerde. Eine als Radweg ausgebaute Bahntrasse. Tolle Gegend, bester Radweg, wenn man Schotter mag.
An der Mittelmeerküste kommt die Enttäuschung. Das Radfahren ist mitunter gefährlich, weil es eigentlich keine Radwegeführung gibt und die Küste ist bis auf einige wenige Abschnitte total verbaut ist. Deswegen lassen wir die Idee Gibraltar zu sehen aus und fahren nun nach Sevilla.
Dort haben wir zwei Wochen, erkunden die Stadt, treffen Freunde und leihen uns ein Auto um auch das Umland zu entdecken.
Tja und dann Sachen Packen und ab nach Chile. So schnell geht das, wenn ich es hier aufschreibe.
Dazwischen sind ganz viele Erlebnisse, gute und weniger gute Tage, Menschen die wir getroffen haben und Wetter das wir genossen oder ertragen haben. Radreisen eben!
Das Konzept, uns hier in Europa warm zufahren, hat gut funktioniert. Weil wir von der Haustür aus losgefahren sind haben wir uns ganz langsam in unbekannteres Terrain begeben. Das war ganz anders als irgendwo hinzufliegen und „plötzlich“ die Reise zu beginnen.
Diesen Blog haben wir nur sporadisch mit Artikeln gefüllt. Oft hatte ich das Gefühl über die Strecke und Reise gab es gar nicht so viel zu berichten. Vieles von dem was wir erlebt haben war uns bereits geläufig und so ging es oft um Infos zum Readreisen.
Diese Zeilen schreibe ich schon aus Chile. Morgen steigen wir wieder aufs Rad und gefühlt fängt erst jetzt das Abenteuer an. Wir sind gespannt was uns die nächsten Tage und Wochen bringen. Ich vermute nun werden wir mehr zu erzählen haben.
Wir fahren gemeinsam mit Colleen Richtung Süden. Sie schreibt ebenfalls einen Blog. Wer also mehr von dieser Route lesen möchte kann auch bei ihr nachlesen unter: superbikerwoman
Wie immer findet ihr uns auch auf Insta mit vielen aktuellen Bilder. Wir lassen von uns hören / lesen.
Übrigens: Was wir von unterwegs vermisst haben ist der Kontakt zu anderen Menschen. Wenn ihr also Fragen oder Anmerkungen habt. Schreibt es in die Kommentare. Wir freuen uns das zu lesen und zu antworten.


