Erste Eindrücke von Patagonien
Wir haben jetzt vier Tage auf dem Rad hinter uns und einen Pausentag in Chalten. Wir haben vermutliche alle Gefühlslagen ein Mal durchlebt und erste Eindrücke von der Landschaft bekommen. Hier ein paar davon ohne zeitliche oder inhaltliche Sortierung.
Endlich treffen wir andere Reiseradler:innen. Der Austausch hat uns gefehlt und wir freuen uns nun mit Gleichgesinnten aus aller Welt (bisher Spanien, Schweiz, Argentinien, USA, Polen, Brasilien) zu schnacken.
Mit Colleen als Reisepartnerin sind wir nun zu dritt unterwegs. Das ist nicht nur mehr Austausch, sondern auch Motivation und Abwechslung.
Wir können Entscheidungen auf drei Schultern verteilen und uns beim Fahren gegen den Wind vorne abwechseln. Find ich klasse!
Das Wetter ist speziell. Wenn es regnet und alles grau und ziemlich kalt ist, geht zumindest meine Motivation rasant auf Talfahrt. In voller Regenklamotte die Berge raufschwitzen ist nicht mein Liebstes! Wenn sich die Wolken lichten und sogar die Sonne rauskommt, zeigt sich diese atemberaubende Landschaft. Bisher fahren wir durch Regenwald. Am Straßenrand ist oft ein undurchdringliches Dickicht aus Bäumen, Farnen und Mosen. Und es gibt diese riesigen Blätter die am ehesten mit Rhabarber vergleichbar sind.
Wenn sich eine Lücke im Dickicht auftut und der Blick in die Ferne geht, sehen wir Fjorde, Seen, schneebedeckte Berge und Vulkane. Der Vulkan Chaiten stößt kleine Rauchwolken aus. Er hat vor ein paar Jahren dafür gesorgt, dass die gleichnamige Stadt (wir sind gerade hier) evakuiert wurde.

Die Carreterra Austral ist teilweise Schotter und teilweise asphaltiert. Damit schwankt auch unsere Geschwindigkeit etwas. Wenn es trocken ist ziehen die Autos eine üppige Staubwolke hinter sich her. Entsprechend sehen unsere Klamotten auch aus. Naja, es regnet ja immer mal wieder…
Die Fährfahrten sind ein tolle Abwechslung. Leider sind die Infos über die Fahrzeiten nicht immer richtig und so können sich mitunter tagelange Wartezeiten ergeben. Wir hatten bisher keine Probleme. Spannend war jedoch die Kombination von zwei Fähren mit einer Unterbrechung von 10 km über Land. Laut Internet hatten wir dafür 15 Minuten Zeit um die nächste Fähre zu erreichen, die nur ein Mal täglich fährt. Noch auf der Fähre gab es unterschiedliche Gerüchte wie das klappen kann. Am Ende hatten wir einen Gepäcktransport und die Fähre hat auf uns gewartet.
Irgendwie gibt es immer ein Lösung. Diese positive Einstellungen und die Fähigkeit zu improvisieren ist eine Lebensgrundlage in Südamerika und es passt perfekt zum Radreisen.
Es gibt 65 Sonnentage pro Jahr in Patagonien. Wenn es nach mir geht können die dieses Jahr geballt jetzt kommen. Wir werden sehen.


